Brucknerhaus Linz

Milo Rau über Krisen: Hoffnung ist Kitsch!

Oberösterreich
08.09.2026 17:30

Mut zum Hinschauen, Mut zum Dialog: Milo Rau zählt zu den prägendsten Stimmen des europäischen Theaters. Gemeinsam mit Renata Schmidtkunz eröffnete er im Linzer Brucknerhaus die  „Klangwolkenwoche“. Sie diskutierten heftig über Demokratie, Menschlichkeit und die Rolle der Kunst in einer sich wandelnden Welt. Ein Abend, der bewegt und nachwirkt.

Die Lautsprecher hängen schon, die große Videowall ebenfalls: Vor dem Linzer Brucknerhaus wird bereits die Klangwolken-Szenerie aufgebaut. Am Samstag, 12. September, simuliert das Mega-Spektakel „ATTheEND Linz“ ab 20.30 Uhr den Weltuntergang. Ein Happy End wird allerdings in Aussicht gestellt.

Seit Montag widmet sich die erstmals veranstaltete „Klangwolkenwoche“ den Themen Krise, Umbruch und Zukunft. Passend dazu diskutierte Renata Schmidtkunz mit Milo Rau, dem Intendanten der Wiener Festwochen, dessen Arbeiten oft politische Konflikte, Krieg, Menschenrechte und gesellschaftliche Tabus beleuchten.

Im Linzer Donaupark wird schon die Szenerie der Klangwolke aufgebaut.
Im Linzer Donaupark wird schon die Szenerie der Klangwolke aufgebaut.(Bild: Farbwerk, Liz Blur)

Europa im Stress
Über eine Stunde sprach Rau über seine internationale Forschungs- und Theaterarbeit. Ressourcenknappheit und Verteilungsprobleme bezeichnete er als zentrale Triebkräfte der Gegenwart. „Wir erleben in Europa nun schneller, was andere Kontinente schon erfahren haben“, sagte er und fasste den Zustand der Welt pointiert mit „Alles aussichtslos“ zusammen. Von „Hoffnung“ als Appell hält er wenig und ordnet sie eher als Kitsch bestimmter Literaturströmungen ein.

Soll nun jedes Jahr stattfinden
Offen blieb die Frage, welche Rolle Philosophie oder eine ethische Erneuerung spielen könnten. Zum versöhnlichen Abschluss trug Rau auf Anregung von Schmidtkunz Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ vor, darunter die Zeile: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“

Intendant Norbert Trawöger kündigte an, dass auch die kommende Klangwolke von einem Leitthema begleitet werden soll, das in den sogenannten „Resonanzräumen“ – dazu gehörte diese Diskussion – vertieft wird. TS/ER

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