Beklemmendes Video

Wiener Postfiliale ausgeraubt: Zehn Jahre Haft

Gericht
07.09.2026 12:28

Mit einer Gummimaske getarnt und einer Schreckschusspistole bewaffnet, stürmte ein 60-Jähriger eine Postfiliale in Wien-Döbling. Das Video der Tat zeigt, was für eine Horrorerfahrung das für die Mitarbeiter und Kunden war. Der schwer vorbestrafte Österreicher fasst im Landesgericht eine lange nicht rechtskräftige Haftstrafe aus.

Im Wiener Gerichtssaal ist es ganz still, während das Überwachungsvideo der Döblinger Postfiliale vom 9. Juni abgespielt wird: Zwei junge Frauen umarmen sich gegenseitig. Ein Mann ist wie erstarrt, bewegt sich keinen Zentimeter. Die Postmitarbeiterin schlägt weinend die Hände vor dem Gesicht zusammen. Ihr Kollege reagiert schnell, packt sämtliches Geld aus der Kassa in ein Plastiksackerl – während der Angeklagte mit einer täuschend echten Schreckschusspistole minutenlang herumfuchtelte. 

Notoperation, Todesfall und Mietschulden
„Ich bereue das sehr“, gesteht der 60-Jährige im Landl. „Es hat Monate davor schon begonnen das Desaster.“ Der Österreicher erzählt von zwei Schlaganfällen, einer Notoperation und einem plötzlichen Todesfall im Freundeskreis. „Fünf Tage vor dem Überfall hat auch meine Beziehung geendet. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.“ Und auch das Geld wurde immer knapper: Der Arbeitslose hatte Mietschulden, drohte seine Wohnung zu verlieren – doch all das rechtfertigt nicht, die Tat, der er schon Tage davor angefangen hatte, zu planen. 

Zitat Icon

Es war für ihn eine schwierige Situation. Er hat keinen Ausweg mehr gesehen.

Verteidigerin des 60-jährigen Vorbestraften

Der 60-Jährige besorgte sich eine Gummimaske und eine Schreckschusspistole. „Das ist quasi meine Hauspost“, erklärt der Wiener, warum er genau die Filiale in der Krottenbachstraße auswählte. 1,7 Promille hatte der Angeklagte, als er in die Post marschierte: „Ich kann mich nicht genau erinnern, dass ich dann rein bin. Ich weiß nicht mehr, wie viele Leute da drinnen waren.“ Zurechnungsfähig war er aber jedenfalls noch. 

Augenzeuge überwältigte Räuber
Mit 2800 Euro wollte er letztlich flüchten. Dank eines couragierten Augenzeugen, der den Mann von hinten zu Boden rang, konnte der 60-Jährige noch vor Ort festgenommen werden. „Sie waren schon einige Jahre in Haft. Sie müssen ja wissen, was bei einem Raub droht“, konfrontiert ihn Richter Christian Gneist. „Ich hab‘ da nicht so genau nachgedacht“, meint der Angeklagte, der bereits sieben einschlägige Vorstrafen hat.

Straftat
versuchter schwerer Raub
Strafrahmen
ein bis 15 Jahre
Urteil
10 Jahre Haft
nicht rechtskräftig

Und nun setzt es die nächste: Wegen des bewaffneten Raubüberfalls wird der Wiener zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er meldet Strafberufung an, die Staatsanwältin gibt vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. 

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