Seine erstinstanzliche Verurteilung in der Finanzamt-Causa hat der Popularität von August Wöginger in den eigenen Reihen nicht geschadet. Der vormalige ÖVP-Klubchef wurde mit fast 96 Prozent als Vorsitzender des ÖAAB wiedergewählt. Parteichef und Bundeskanzler Christian Stocker gratulierte.
In der Postenschacher-Affäre beim Finanzamt Braunau wurde August Wöginger im Mai wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch in erster Instanz zu sieben Monaten bedingter Haft verurteilt. Er legte Rechtsmittel ein und hofft auf einen Freispruch der nächsten Instanz, als ÖVP-Klubchef im Nationalrat trat er aber zurück. Seine Funktionen als Sozialsprecher und ÖABB-Obmann behielt er.
„Gu(s)t für die Zukunft“
Als letzterer stellte er sich am Samstag beim Bundestag der ÖVP-Arbeitnehmerorganisation in Haag in Niederösterreich der Wiederwahl. Dort zeigte sich, wie stark der Rückhalt für den ÖVP-Politiker in den eigenen Reihen ist. Das Tagungsmotto lautete, angelehnt an den Spitznamen Wögingers: „Gu(s)t für die Zukunft“. Der ÖABB-Chef betonte, dass seine Organisation für alle stehe, „die unser Land Tag für Tag tragen“. Leistung schaffe Wohlstand, Wohlstand schaffe soziale Sicherheit und soziale Sicherheit schaffe Zusammenhalt.
Bei der Wahl erhielt Wöginger dann 95,9 Prozent der Delegiertenstimmen, noch höhere Zustimmungswerte erreichten seine Stellvertreter. Jeweils über 99 Prozent gab es für FCG-Chefin Romana Deckenbacher, die oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander, den Tiroler Landtagsvizepräsidenten Dominik Mainusch, die Vorarlberger VP-Klubobfrau Veronika Marte und die niederösterreichische Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Über 98 Prozent erhielt auch Bundesrat Günther Ruprecht.
Kanzler rühmt „offenes Ohr“
Zum Bundestag hatten sich auch etliche Regierungsmitglieder gesellt, etwa Innenminister Gerhard Karner und Kanzleramtsministerin Claudia Bauer. Dazu reisten Klubobmann Ernst Gödl und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nach Haag. Bundesparteichef Christian Stocker kam nicht, gratulierte aber auf X Wöginger „von Herzen zur Wiederwahl“. Er betonte das „ausgeprägte Gespür“ und „offene Ohr“, das August Wöginger für die Arbeitnehmer habe.
In seiner Rede attackierte der alte und neue ÖAAB-Chef vor allem die FPÖ und deren Beziehungen zu den Identitären. Letztere verwendeten Begriffe wie „Arierknochen“ und „Schädelvermessungen“. Diese Wörter stammten aus der dunkelsten Zeit der österreichischen Geschichte. Hier müsse man klar aussprechen und aufzeigen, dass das der ÖAAB und die Volkspartei nicht wollten. Das sei enorm wichtig: „Weil ich keinen selbst ernannten Volkskanzler in Österreich will.“
FPÖ: Wahl sagt alles über ÖVP
Die FPÖ reagierte prompt. Wögingers Wahl zum ÖAAB-Chef sage alles über die ÖVP aus, meinte Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Aussendung. Ohne Rücksicht auf Verluste gehe es nur noch um die eigenen Posten und Pfründe. Die Wahl zeige eindrucksvoll, wie weit sich die ÖVP bereits von den Menschen entfernt habe und wie ungeniert sie agiere.
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