Ringen um Lehrstellen

Kein Lehrermangel, aber doch Kampf um Lehrkräfte

Tirol
06.09.2026 07:00

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres steht der Wörgler Direktor vor einer besonderen Herausforderung: Er will jene Quereinsteiger halten, die sich im vergangenen Schuljahr bereits bewährt haben und zu einer wichtigen Stütze des Teams geworden sind. 

Vier Jahre nach Einführung des Quereinsteigermodells hat sich die Lage rund um den Lehrermangel in Tirol entspannt. Doch der Kampf geht nun in eine andere Richtung. Der Direktor der Sportmittelschule Wörgl, Gottfried Schneider, muss jetzt um genau solche Lehrpersonen kämpfen.

Der Direktor will allein wegen der guten Zusammenarbeit keinen verlieren.
Der Direktor will allein wegen der guten Zusammenarbeit keinen verlieren.(Bild: Johanna Birbaumer)

Aufgrund des Lehrmangels stellte die Schule in der Vergangenheit vier Lehrpersonen ein, darunter sowohl Quereinsteiger als auch eine Lehrperson mit einem Sondervertrag. Über die Jahre wurden sie zu geschätzte Teamkollegen, aber für das kommende Schuljahr hat bis jetzt nur eine Lehrperson eine Anstellung. Einer verlor die Stelle mangels Stunden, die anderen beiden müssen, noch um ihre Anstellung zittern.

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Alev habe sich an der Schule bewährt und sich gut ins Team eingefunden. Doch kommt jetzt ein Bewerber mit Berufserfahrung, hat sie schlechte Karten.

Gottfried Schneider, Direktor

Lehrer, die sich bewährt haben, sollen bleiben 
Es ist eine heikle Situation in der sich Alev Harmanci befindet. Seit März 2023 unterrichtet sie Englisch, Deutsch und Deutsch als Zweitsprache an der Schule. Aufgrund des Lehrermangels wurde sie damals sogar persönlichen von der Bildungsdirektion Tirol kontaktiert und gebeten, an der Schule zu unterrichten. Drei Jahre später muss sie um ihre Stelle zittern. Als Quereinsteigerin musste sie den pädagogischen Teil an der Universität nachholen.

Alev Harmanci ist seit 2023 Lehrerin und muss nun um ihre Stelle zittern.
Alev Harmanci ist seit 2023 Lehrerin und muss nun um ihre Stelle zittern.(Bild: Johanna Birbaumer)

Die sogenannte Nachqualifizierung hat sie im heurigen Sommer abgeschlossen. Weil die Ausschreibung allerdings bereits erfolgt war, als sie die Ausbildung noch nicht abgeschlossen hatte, wurde ihre Stelle neu ausgeschrieben. Nun muss sie sich erneut gegen andere Bewerber durchsetzen. „Eine Zitterpartie“, nennt es Schneider. Alev habe sich an der Schule bewährt und sich gut ins Team eingefunden. Doch kommt jetzt ein Bewerber mit Berufserfahrung, habe sie schlechte Karten. „Man hätte das Ganze anders lösen müssen“, erklärt dazu Harmanci. Ihr kommt vor, man brauche sie jetzt nicht mehr und möchte sie loswerden. Der Direktor selbst könnte ihre Qualifikation am besten einschätzen.

Lehramtsabschluss, aber keine Anerkennung
Noch schwieriger ist die Situation ihrer Kollegin Frau B. Aus Angst vor der Bildungsdirektion möchte sie anonym bleiben. Frau B. ist keine Quereinsteigerin, sondern hat in Deutschland ein Lehramtsstudium abgeschlossen, das laut Bildungsdirektion ohne das anschließende Praxisjahr, wie in Deutschland verlangt wird, nicht anerkannt werden darf.

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Sport wird im Team unterrichtet. Eine gute Zusammenarbeit ist entscheidend für den Unterrichtserfolg. 

Gottfried Schneider, Direktor

Der „Tiroler Krone“ gegenüber gibt Frau B. an, mehrere Jahre als Lehrerin in Deutschland tätig gewesen zu sein. Seit vier Jahren unterrichtet sie Sport und Fitness an der Mittelschule. Schneider möchte sie unbedingt halten: „Sport wird im Team unterrichtet. Eine gute Zusammenarbeit ist entscheidend für den Unterrichtserfolg. Zudem sei ihr Schwerpunkt Sporttherapie besonders wertvoll für die Schule.“ Die Bildungsdirektion verweist auf die gesetzliche Reihenfolge: „Vorrang haben ausgebildete Lehrkräfte und Quereinsteiger. Sonderverträge sind erst danach möglich.

Quereinsteiger bleiben aber eine wichtige Ergänzung des Lehrpersonals.“ Der Prozess ist dem Schulleiter klar, trotzdem kämpft er um die Weiteranstellung. 

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