„Bin fitter denn je“

Wie Steirer Hodenkrebs besiegte und Vater wurde

Steiermark
06.09.2026 07:00

Als Domenik Habian an Hodenkrebs erkrankte, riss es ihm den Boden unter den Füßen weg. Dank gezielter Therapie ist er heute nicht nur krebsfrei, sondern auch glücklicher Vater. Mit seiner Geschichte will er anderen Männern Mut machen, auf ihren Körper zu achten.

Ausgerechnet in seinen fittesten Jahren bekam Domenik Habian eine der schlimmsten Diagnosen gestellt: Hodenkrebs. „Ich hatte die Veränderung schon länger bemerkt, aber mich neun Monate lang nicht getraut, sie anschauen zu lassen. Meine Freundin hat mich dann ermutigt, zum Arzt zu gehen.“

Dieser Arzt war der Urologe Thomas Alber am LKH Hochsteiermark, Standort Leoben. Heute sitzen die beiden Männer gemeinsam mit Onkologin Jasmin Spiegelberg wieder rund um einen Tisch. Die Diagnose ist mittlerweile zehn Jahre her. „Es erwischt häufig junge Männer, die vollkommen fit und gesund sind. Personen wie Domenik zieht so eine Diagnose den Boden unter den Füßen weg“, erklärt Alber.

Der Patient Domenik Habian (Mitte) mit seinen Ärzten Jasmin Spiegelberg und Thomas Alber
Der Patient Domenik Habian (Mitte) mit seinen Ärzten Jasmin Spiegelberg und Thomas Alber(Bild: Jürgen Fuchs)

Genau so war es damals: Nach dem Aufklärungsgespräch wurde der Mitte-20-Jährige direkt stationär aufgenommen. Seine Freundin kam weinend zu ihm ins Zimmer gelaufen. „Aber der schlimmste Anruf war meine Mama“, blickt er zurück. „Ich wusste nicht, ob ich das überlebe.“

1,8
PROZENT DER KREBSERKRANKUNGEN
Hodenkrebs gilt zum Glück als seltene Tumorerkrankung. Bei Männern macht sie 1,8 aller neuen Krebsfälle aus. 2022 erkrankten laut Statistik Austria exakt 425 Männer dran.

Ihm blieb keine andere Wahl, als sein Leben in die Hände der Ärzte zu legen. Und, genau genommen, auch das seiner Nachkommen – aber dazu kommen wir noch. In einer Operation wurde ihm ein Hoden entfernt. Es folgte eine heftige Chemotherapie, die sogar einen Lungeninfarkt zu Folge hatte. Statt Skitouren, Radausflügen und geregeltem Arbeitsleben standen lange Spitalsaufenthalte auf dem Plan. „Ich habe in einem Jahr über 100 Nächte hier im LKH verbracht“, erzählt Habian.

Die Onkologin Jasmin Spiegelberg sagt: „Patientengeschichten wie die von Domenik sind der Grund, ...
Die Onkologin Jasmin Spiegelberg sagt: „Patientengeschichten wie die von Domenik sind der Grund, warum man diesen Beruf macht.“(Bild: Jürgen Fuchs)

Zahlreiche Besprechungen im Tumorboard später war der Krebs leider noch immer nicht besiegt. Im Gegenteil: Bei der Kontrolle leuchteten Metastasen im Bauch- und Lungenraum hell auf. Man entschied sich dazu, den Oberlappen seines linken Lungenflügels zu entfernen. Ein zweiter Durchgang an Chemotherapie machte ihn schließlich krebsfrei.

Tochter als größtes Geschenk
Heute ist der lebende Beweis für Habians Gesundheit seine Tochter, die fünfjährige Elina. Dank eingefrorener Spermien konnte er sich den Kinderwunsch erfüllen. „Die Kleine ist wirklich eine ganz Süße“, freut sich Alber, der noch immer die jährlichen Kontrollen durchführt. Auch Spiegelberg sagt: „Patientengeschichten wie diese sind der Grund, warum man diesen Beruf macht.“

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Ich kann den Leuten nur raten, frühzeitig zum Arzt zu gehen und sich untersuchen zu lassen. Das spart viel Leid, Strapazen und Kummer!

Patient Domenik Habian

Es ist ein erfreulicher Anlass, warum Habian heute hier sitzt, aber eigentlich hat er das Krankenhaus satt. „Die Frühstückssemmel habe ich wirklich nicht mehr sehen können“, sagt er, und die beiden Ärzte lachen herzlich. Sowieso ist der heute 36-Jährige viel lieber im Freien: „Ich gehe jetzt wieder viel wandern und radeln und bin fitter denn je.“

Urologe Thomas Alber
„Viele Männer denken, sie sind unverwundbar“

Hodenkrebs ist zwar eine seltene Tumorerkrankung – sie trifft aber vor allem junge Männer: Im Alter zwischen 20 und 44 Jahren sind Keimzelltumoren des Hodens die häufigste Krebsart. In Österreich erkrankten laut Statistik Austria im Jahr 2022 insgesamt 425 Männer dran. Damit machte Hodenkrebs 1,8 Prozent aller Krebsneuerkrankungen bei Männern aus.

Thomas Alber arbeitet am LKH Leoben, das einen onkologischen Schwerpunkt hat.
Thomas Alber arbeitet am LKH Leoben, das einen onkologischen Schwerpunkt hat.(Bild: Jürgen Fuchs)

Die gute Nachricht: „Patienten haben sehr gute Heilungschancen“, sagt Thomas Alber. Er ist Primar an der Abteilung für Urologie am LKH-Hochsteiermark-Standort Leoben. Wichtig für einen Behandlungserfolg ist eine frühzeitige Diagnose. Entscheidend ist dabei die Selbstuntersuchung, denn eine klassische Primärprävention gibt es derzeit nicht. Auch ein generelles Screening aller beschwerdefreien jungen Männer wird aufgrund der niedrigen Erkrankungshäufigkeit nicht zwingend empfohlen. Umso wichtiger ist es, Veränderungen am eigenen Körper wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Regelmäßiges Abtasten unter der Dusche hilft dabei.

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Man sollte Veränderungen am Hoden nicht ignorieren und den Arztbesuch nicht aus Scham hinauszuzögern.

Urologe Thomas Alber

Eine neu aufgetretene, schmerzlose Verhärtung, eine Vergrößerung oder Schwellung des Hodens oder auch ein ungewohntes Schweregefühl sollten zeitnah urologisch abgeklärt werden. Die Veränderungen sind oft nicht schmerzhaft. „Leider denken viele Männer, sie sind unverwundbar. Aber es gibt keinen Grund, Veränderungen am Hoden zu ignorieren oder aus Scham den Arztbesuch hinauszuzögern“, sagt Alber.

Domenik Habian will mit seiner Geschichte anderen Männern Mut machen: „Ich kann den Leuten nur raten, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Das spart viel Leid, Strapazen und Kummer!“ Auch ein paar Freunde konnte er bereits überreden, sich untersuchen zu lassen, erzählt der 36-Jährige.

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