Bei schweren Gefechten zwischen der pro-iranischen Houthi-Miliz und Regierungstruppen im Jemen sind laut Mediziner- und Militärkreisen seit Donnerstag mehr als 120 Menschen getötet worden.
Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Houthis seit mehr als zehn Jahren gegen die Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Seit 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe und der Krieg schien wie eingefroren. Es gab keine größeren Gefechte, aber auch keine Aussicht auf ein Kriegsende. Im Zuge des Iran-Kriegs ist auch dieser Konflikt erneut aufgeflammt.
Die Houthis hatten am Donnerstag einen Vorstoß in Richtung der Küste an der Meerenge Bab al-Mandeb, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet, gestartet. Die Opferzahlen auf beiden Seiten hielten sich nach Angaben vom Freitag ungefähr die Waage. Zudem kam ein Zivilist ums Leben.
Miliz will strategisch wichtigen Hafen abschneiden
Laut Angaben aus Militärkreisen versucht die Miliz, den bisher von Regierungstruppen gehaltenen Hafen Mocha nahe der Meerenge abzuschneiden und in Gebiete an der Bab al-Mandeb vorzudringen. Bei Kämpfen nahmen sie demnach Hügel nahe dem Roten Meer ein, von denen aus sie Schiffe angreifen können.
Seit der Blockade der Straße von Hormuz durch Teheran im Zuge des Iran-Kriegs hat sie zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hatte seit 2015 die international anerkannte jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Seit einer von der UNO vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 waren die Kämpfe weitgehend zum Erliegen gekommen. Im Juli zerbrach diese Waffenruhe jedoch, seither gab es zahlreiche Angriffe.
Auf Seiten der Regierungstruppen starben seit Donnerstag mindestens 66 Kämpfer, wie ein Militärvertreter am Freitag mitteilte. In den Reihen der Houthi-Miliz wurden laut Sicherheitskräften mindestens 62 Tote gezählt.
Houthis äußern sich nicht zu eigenen Verlusten
Die jemenitische Armee verbreitete zudem Videoaufnahmen, die nach ihren Angaben Leichen getöteter Houthi-Kämpfer sowie Gefangene zeigen. Die Houthis äußerten sich bisher nicht zu eigenen Verlusten.
Die Houthis kontrollieren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa sowie Gebiete an der Grenze zu den saudi-arabischen Provinzen am Roten Meer. Die von Teheran unterstützte Miliz hatte Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und griff seither nach eigenen Angaben saudi-arabische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen in dem Königreich an. Die Miliz zog den Jemen damit in den Iran-Krieg hinein.
Erneute Gefechte in westlichen Provinzen
In den westlichen Provinzen Taiz und Hodeidah kam es laut Augenzeugenberichten erneut zu Gefechten. Örtlichen Behördenangaben zufolge seien infolge hunderte Menschen aus den betroffenen Gebieten geflohen. Die Familien hätten sich in andere Gebiete in Sicherheit gebracht.
Darunter seien auch Menschen gewesen, die zuvor bereits in Flüchtlingslagern gelebt hätten. Die staatliche Nachrichtenagentur Saba berichtete unter Berufung auf das Militär, rund 50 Houthi-Kämpfer seien bei Gefechten getötet oder verletzt worden. Mehrere weitere seien gefangen genommen worden. Eine genaue Aufschlüsselung der Toten und Verletzten sowie Angaben zu Verlusten aufseiten der Regierungstruppen wurden nicht veröffentlicht.
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