Schüsse stoppten ihn

Verfolgungsjagd durch Wien: „Wie ein Videospiel“

Gericht
04.09.2026 17:30
Porträt von Carola Leonie Müller
Porträt von Anja Richter
Von Carola Leonie Müller und Anja Richter

Als sich nach einem banalen Auffahrunfall die Polizei näherte, brannten bei einem Audi-Lenker die Sicherungen durch. Rund 20 Minuten lang dauerte die Amokfahrt, die zahlreiche Personen in erhebliche Gefahr brachte. Und den 50-Jährigen ins Gefängnis. Der Grund für die Flucht?

Diese Verfolgungsjagd hielt Anfang August ganz Wien in Atem und sorgte für ein erhebliches Verkehrschaos. Mit seinem 435-PS-Boliden lieferte sich ein 50-Jähriger gegen 14 Uhr zwischen Floridsdorf und Schwechat eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei, die erst durch die Abgabe von drei Schüssen beendet werden konnte.

Zwei Frauen hüpften noch schnell aus dem Auto
Denn auch als bereits drei Streifenwagen den Raser umzingelt hatten, fuhr dieser noch wie wild vor und zurück. Eine Begründung, warum er vor den Beamten flüchtete, hat der in der Immobilienbranche tätige Mann nicht. „Das war ein großer Blödsinn“, beteuert er als Angeklagter im Wiener Landl. Grund gab es keinen.

Aber: Er sei zuvor in der Stadt bei einem Schmuckhändler gewesen, um eine gefälschte Rolex für einen Freund zu verkaufen. Danach hatte er (nüchtern) in der Jedleseer Straße im 21. Bezirk einen banalen Auffahrunfall mit einem Taxi. Als sich eine Streife näherte, fielen bei dem Mann die Sicherungen.

Zitat Icon

Die Aktion war völlig vertrottelt, die fahrerische Leistung aber beeindruckend.

Anwalt Werner Tomanek

Eine Frau und deren Tochter hüpften noch schnell aus dem Audi SQ8, dann stieg er aufs Gas. Mit weit mehr als 130 km/h raste er durch die Stadt, wechselte ständig Spur und Richtung, touchierte Autos. Wie durch ein Wunder kam es zu keinem schweren Unfall.

Auto war weg, der Führerschein nicht
„Das ist ja so, wie wenn man sich ein Videospiel ansieht“, kommentiert die Richterin, nachdem sie im Prozess die Aufnahmen der rasanten Verfolgungsjagd vorgespielt hatte. „Die fahrerische Leistung war tatsächlich beeindruckend“, meint auch Tomanek.

Straftat
Widerstand gegen die Staatsgewalt und andere
Strafrahmen
6 Monate bis 5 Jahre Haft
Urteil
18 MONATE TEILBEDINGT
davon 3 fest

Spannend: Das Auto wurde nach der Fahrt vorübergehend sichergestellt, den Führerschein durfte der Mann, der in U-Haft wanderte, aber behalten.

Das kann sich aber noch ändern, denn nach der Verurteilung zu 18 Monaten teilbedingter Haft (3 Monate davon fest) drohen dem 50-Jährigen nach der Amokfahrt zahlreiche Verwaltungsverfahren und wohl saftige Geldstrafen.

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