Über 1000 Todesopfer

Sturzflut im Himalaya: Opferzahl steigt weiter an

Ausland
01.09.2026 09:27
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ist die Zahl der Todesopfer insgesamt auf mehr als 1000 gestiegen. In Nepal gibt es inzwischen 987 bestätigte Todesfälle, aus Tibet wurden 16 Opfer bestätigt. Tausende Menschen werden vermisst.

In Nepal regt sich scharfe Kritik am Umgang mit nicht identifizierten Todesopfern, die in Massengräbern beigesetzt werden. Dies stößt auf breites Unverständnis, da der Großteil der Bevölkerung dem hinduistischen Glauben angehört und die Tradition eine rituelle Einäscherung vorschreibt.

Todesritual „das Wichtigste“
In sozialen Medien wurde die Entscheidung kontrovers diskutiert. Ein Nepalese schrieb auf X: „Darf man im Namen der Wissenschaft ein 3000 Jahre altes Todesritual abschaffen? Für 85 Prozent der Menschen im Land ist das Todesritual das wichtigste unter den 16 Sakramenten.“ Ein Polizeisprecher betonte:  „Unsere oberste Priorität ist die Rückführung aller Opfer zu ihren Familien.“

Vor der Beisetzung werden nach Behördenangaben DNA-Proben, Fotos und weitere Daten der Toten gesichert, damit Angehörige ihre Verwandten später identifizieren lassen können.

Bisher mehr als 11.000 Menschen gerettet
Laut Regierung wurden bisher mehr als 11.000 Menschen gerettet. Auch seien Strom- und Kommunikationsleitungen in einigen Katastrophengebieten wiederhergestellt worden, teilte Premierminister Balendra Shah in der Nacht zu Dienstag (Ortszeit) auf Social Media mit. Laut Shah gelang es Rettungsteams zudem, Straßenverbindungen zu einem der am stärksten betroffenen Bezirke wiederherzustellen. All dies erleichtere die Rettungsmaßnahmen und die Verteilung von Hilfsgütern.

Mädchen geborgen
Bei der Suche nach Verschütteten gab es am Wochenende einen Hoffnungsschimmer: Ein Mädchen, das am Freitag aus den Schlammmassen gerettet wurde, ist mittlerweile wieder mit seinen Eltern vereint. Die Polizei hatte die Kleine gefunden, weil sie geweint und nach ihrer Mutter gerufen hatte. „Ihr Körper steckte im Schlamm, aber ihr Kopf war im Freien“, teilte Polizeisprecher Netra Bahadur Karki mit.

Die Bezirksverwaltung im Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien hatte davor mitgeteilt, dass viele Leichen von den Fluten kilometerweit mitgerissen wurden und schon so stark verwest seien, sodass eine schnelle Identifizierung unmöglich sei. Experten warnten vor Risiken für die öffentliche Gesundheit.

Die Sturzflut hatte am vergangenen Mittwoch im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ganze Ortschaften zerstört. Nach Einschätzung von chinesischen und US-Experten wurde die Katastrophe durch einen Gletscherabbruch an der Südflanke des Langtang Lirung in Nepal ausgelöst. Die Gletscher im Himalaya schmelzen wegen des Klimawandels schneller als je zuvor. Schmelzende Gletscher können Berghänge destabilisieren und das Risiko von Erdrutschen erhöhen.

Die Versorgung der Überlebenden bleibt schwierig. Überschwemmungen und Erdrutsche haben wichtige Straßen und Brücken zerstört, darunter die wichtigste Verbindung zwischen Nepals Hauptstadt Kathmandu und den südlichen Landesteilen. Die Regierung hat zwar Ausweichrouten geöffnet, doch einige davon sind schmal und ebenfalls beschädigt. Weitere Erdrutsche und Fluten sind jederzeit möglich. In der Region ist für die kommenden Tage weiterer Regen angekündigt.

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