Über 1000 Todesopfer
Sturzflut im Himalaya: Opferzahl steigt weiter an
Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ist die Zahl der Todesopfer insgesamt auf mehr als 1000 gestiegen. In Nepal gibt es inzwischen 987 bestätigte Todesfälle, aus Tibet wurden 16 Opfer bestätigt. Tausende Menschen werden vermisst.
In Nepal regt sich scharfe Kritik am Umgang mit nicht identifizierten Todesopfern, die in Massengräbern beigesetzt werden. Dies stößt auf breites Unverständnis, da der Großteil der Bevölkerung dem hinduistischen Glauben angehört und die Tradition eine rituelle Einäscherung vorschreibt.
Todesritual „das Wichtigste“
In sozialen Medien wurde die Entscheidung kontrovers diskutiert. Ein Nepalese schrieb auf X: „Darf man im Namen der Wissenschaft ein 3000 Jahre altes Todesritual abschaffen? Für 85 Prozent der Menschen im Land ist das Todesritual das wichtigste unter den 16 Sakramenten.“ Ein Polizeisprecher betonte: „Unsere oberste Priorität ist die Rückführung aller Opfer zu ihren Familien.“
Vor der Beisetzung werden nach Behördenangaben DNA-Proben, Fotos und weitere Daten der Toten gesichert, damit Angehörige ihre Verwandten später identifizieren lassen können.




Bei der Suche nach Verschütteten gab es am Wochenende einen Hoffnungsschimmer: Ein Mädchen, das am Freitag aus den Schlammmassen gerettet wurde, ist mittlerweile wieder mit seinen Eltern vereint. Die Polizei hatte die Kleine gefunden, weil sie geweint und nach ihrer Mutter gerufen hatte. „Ihr Körper steckte im Schlamm, aber ihr Kopf war im Freien“, teilte Polizeisprecher Netra Bahadur Karki mit.
Die Bezirksverwaltung im Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien hatte davor mitgeteilt, dass viele Leichen von den Fluten kilometerweit mitgerissen wurden und schon so stark verwest seien, sodass eine schnelle Identifizierung unmöglich sei. Experten warnten vor Risiken für die öffentliche Gesundheit.
Die Versorgung der Überlebenden bleibt schwierig. Überschwemmungen und Erdrutsche haben wichtige Straßen und Brücken zerstört, darunter die wichtigste Verbindung zwischen Nepals Hauptstadt Kathmandu und den südlichen Landesteilen. Die Regierung hat zwar Ausweichrouten geöffnet, doch einige davon sind schmal und ebenfalls beschädigt. Weitere Erdrutsche und Fluten sind jederzeit möglich. In der Region ist für die kommenden Tage weiterer Regen angekündigt.
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