Jedes 26. Kind in Wien ist ein Fall für die Kinder- und Jugendhilfe. Zahlen der Statistik Austria belegen damit: Nirgendwo sonst gibt es so viele Problemfamilien. Und gerade die offiziellen Zahlen liefern ein Indiz dafür, dass die Lage in der Bundeshauptstadt in Wahrheit noch viel brisanter ist.
Dass die Kinder- und Jugendhilfe in Wien ein Problemfeld ist, kann niemand leugnen. Doch Vergleich macht sicher, auch in diesem Bereich. Und so zeigen neue gesamtösterreichische Zahlen der Statistik Austria, wie groß das Problem wirklich ist – und zum Teil auch, wie es so groß werden konnte. Fest steht: Andere Bundesländer reagieren weit dynamischer auf die Herausforderungen im Fürsorgebereich.
Wiener Problemkinder kommen viel öfter in Heime
3,9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Wien – in absoluten Zahlen 11.482 im Jahr 2025 – sind ein Fall für die Fürsorge. In rund drei Viertel der Fälle bedeutet das Betreuung in der Familie, in einem Viertel der Fälle volle Erziehung, das wiederum in zwei Drittel der Fälle in sozialpädagogischen Einrichtungen und in einem Drittel der Fälle bei Pflegepersonen. In anderen Bundesländern kommen Kinder aus Problemfamilien weit öfter in einem neuen familiären Umfeld unter als in Heimen.
Überhaupt zeigt der Vergleich: Auch anderswo im Land hat die Fürsorge genug zu tun. Gemessen an der Bevölkerungsgröße sticht Wien bei den Fallzahlen nicht einmal besonders hervor. Aber während die Bundeshauptstadt unterdurchschnittlich oft Familien bei der Erziehung hilft, liegen Fälle von Kindesabnahme bundesweit auf Rekordniveau. Noch dramatischer fällt der Vergleich aus, wenn es um Gefährdungsmeldungen geht: Hier macht Wien ein Viertel aller Fälle in ganz Österreich aus.
Verdächtig gleichbleibende Fallzahlen
Die Zahlen legen nahe, dass die MA 11 mit dem Rücken zur Wand steht: Trotz wachsender Probleme hat sich die Zahl von fremduntergebrachten Kindern nicht verändert, sondern ist mit 4150 im Jahresabstand exakt gleich geblieben. Bei Hilfen für junge Erwachsene mit Betreuungsbedarf ist Wien überhaupt Schlusslicht. Einsparungen bedeutet das allerdings nicht, im Gegenteil: 273 Millionen Euro an Ausgaben für die Kinder- und Jugendhilfe, mit einem Plus von 32 Millionen innerhalb nur eines Jahres – Personalkosten noch nicht eingerechnet – sind einsamer Bundeslandrekord.
Die FPÖ sah durch die Zahlen als erwiesen an, dass „Wien besonderen Handlungsbedarf hat. Statt Probleme frühzeitig zu erkennen und Familien gezielt zu unterstützen, müssen in Wien besonders viele Kinder außerhalb ihrer Familien betreut werden. Die Stadtregierung muss endlich hinterfragen, warum das in Wien derart häufig der Fall ist.“ Die Antwort könne „nicht sein, immer mehr Geld in ein System zu stecken, das die Probleme nicht löst“.
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