Ländle als Vorreiter

„Blieb noch kein E-Bus wegen leerem Akku liegen“

Vorarlberg
31.08.2026 14:48
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Der Vorarlberger Verkehrsverbund treibt seit Jahren die Elektrifizierung seiner Busflotte in Eiltempo voran. Bis Ende 2029 werden über 200 öffentliche Busse elektrisch unterwegs sein, Dieselfahrzeuge haben hingegen bald ausgedient.

Bereits 2020 hat Vorarlberg die ersten vier E-Busse in Betrieb genommen. Aus dem aus EU-Geldern gespeisten Programm „Emissionsfreie Busse und Infrastruktur“ (EBIN) des Verkehrsministeriums erhielt das Ländle damals aus zwei Calls 38,5 Millionen Euro Anteilsfinanzierung für Busankauf und Infrastruktur zugesagt. „Kein anderes Bundesland hat so ambitionierte Konzepte eingereicht wie Vorarlberg“, betont man seitens des Vorarlberger Verkehrsverbundes, der alle im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs tätigen Unternehmen vereint und die Öffi-Modernisierung zwischen Land, Gemeinden und 21 Verkehrsbetrieben zentral koordiniert.

Ausschlaggebend war dabei das gemeinsame Engagement aller Beteiligten: Die Verkehrsunternehmen beschaffen die Busse und der Energielieferant Illwerke-VKW stellt die Ladeinfrastruktur bereit, die dann die Busbetreiber und Kommunen aus der Rahmenvereinbarung abrufen können.

E-Busse doppelt so teuer wie Dieselfahrzeuge
Die Anschubfinanzierung der EU ist elementar: „Bei den aktuellen Fahrzeugpreisen wäre ein Umstieg ohne Förderungen nicht denkbar“, heißt es seitens des Verkehrsverbunds, denn ein elektrischer Bus koste etwa doppelt so viel in der Anschaffung wie ein Dieselfahrzeug. Über EBIN wurden zunächst 80 Prozent dieser Mehrkosten gefördert, mittlerweile sind es 60 Prozent. Im Betrieb hingegen sind die weniger wartungsintensiven E-Busse insgesamt wirtschaftlicher, daher geht die Rechnung unterm Strich auf.

Aktuell sind 143 E-Busse im Einsatz
Mit Sommerbeginn 2026 waren in allen Landesteilen bereits 142 Busse elektrisch im Einsatz, zusammen haben sie bisher immerhin 6,8 Millionen Kilometer zurückgelegt. Die tägliche Belastungsprobe hätten die Busse laut VVV „bravourös in allen Situationen bestanden“, Buspersonal und Fahrgäste würden die ruhigere und leise Fahrweise überaus schätzen.

Bis 2029 werden weitere 69 E-Busse hinzukommen, vom Kleinbus bis zum 18 Meter langen Gelenkbus. Mit dann 211 E-Bussen wird man rund 10.500 Tonnen CO2 jährlich einsparen.

Ladeinfrastruktur ist das entscheidende Asset
Entscheidend für einen reibungslosen Betrieb der E-Busflotte ist die Ladeinfrastruktur. Deren Ausbau obliegt den landeseigenen Illwerken bzw. deren Tochter „vlotte“. Das Unternehmen übernimmt für die Busbetreiber alle Leistungen, angefangen von der Planung, über die Errichtung und Betrieb der Ladepunkte bis hin zur Energielieferung. Für die Verkehrsbetriebe entstehen dadurch kaum Erstinvestitionskosten: Für die Vertragslaufzeit bleibt der Energiekonzern Eigentümer der Ladesäulen, abgerechnet wird per monatlicher Pauschale. Eine modulare Bauweise der Ladepunkte ermöglicht zudem laufende Erweiterungen, bis 2029 werden die Illwerke laut „vlotte“-Geschäftsführer Philipp Österle rund 15 Millionen Euro investiert haben.

Eine gute Ladeinfrastruktur ist für einen effizienten Einsatz der E-Busse entscheidend.
Eine gute Ladeinfrastruktur ist für einen effizienten Einsatz der E-Busse entscheidend.(Bild: APA/ANGELIKA GRABHER-HOLLENSTEIN)

Ladestandort Wolfurt setzt österreichweit Maßstäbe
155 Ladepunkte sind in Vorarlberg bereits in Betrieb, allein an den großen Postbus-Standorten Wolfurt, Bludenz und Feldkirch sind es 87. Das Ladedepot im Bereich des Güterbahnhofs Wolfurt ist übrigens der größte Ladestandort Österreichs für E-Busse. „Wir bieten hier eine Anschlussleistung von fünf Megawatt“, berichtet Österle stolz. Der Öko-Strom dafür kommt direkt vom Netz und wird über mehrere Trafos und Leistungseinheiten an die Ladepunkte verteilt. Dort sind dann bis zu 240 Kilowatt (kW) Leistung abrufbar.

Intelligente Steuerung der Ladevorgänge
Ein intelligentes Lastmanagementsystem sorgt für eine optimale Verteilung, je nach Einsatzzeiten und Fahrplan der Busse. „Ziel ist ein Laden mit wenig Leistungsspitzen, also ein fahrplanbasiertes und damit möglichst wirtschaftliches Lademanagement. Da ist viel Know-how dahinter“, erklärt Österle. Dabei hilft eine Software: Die Busbetreiber laden ihre Fahrpläne hoch, je nach Dauer des Ladefensters wird das Fahrzeug dann priorisiert.

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Bisher ist noch kein Bus wegen eines leeren Akkus irgendwo liegengeblieben.

„vlotte“-Geschäftsführer Philipp Österle

Für eine Nachtladung der Akkus sind Leistungen von 30 bis 50 kW ausreichend. Kann der Bus hingegen nur für eine kurze Zwischenladung stoppen, braucht es deutlich mehr Ladeleistung. Die Lebensdauer eines E-Bus-Akkus beträgt zehn Jahre, wobei auch im zehnten Jahr die volle Reichweite abrufbar sein muss. Im Schnitt kommt ein E-Bus zwischen 300 und 340 Kilometer weit mit einer Akkuladung.

Dieselbus wird zur Ausnahme im Ländle
Ab Ende 2029 werden Dieselbusse im Ländle die Ausnahme sein. Österle ist jedenfalls überzeugt davon, dass E-Busse die insgesamt günstigere Antriebsart sind: „Wir haben im kleinen Feld viel Erfahrung gesammelt, die Technik ist ausgereift. Und jetzt gehen wir Step by Step vor beim Ausbau.“ Noch gebe es viele Stellhebel zur Optimierung. Bei gutem PV-Wetter könnten Busse zukünftig etwa häufiger tagsüber zwischenladen. „Es gibt noch keine Antwort auf alles, aber die wird kommen“, so Österle, der zugleich auch betont: „Bisher ist noch kein Bus wegen eines leeren Akkus irgendwo liegengeblieben.“

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