Kürbisse & Nackte Haut

Japanische Künstlerin Yayoi Kusama gestorben

Kultur
27.08.2026 09:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Yayoi Kusama, Japans bekannteste und erfolgreichste zeitgenössische Künstlerin, ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Berühmt wurde sie für ihre „Polka Dots“ genannten bunten Punkte, mit denen sie oft phallische Objekte gestaltete. Mit ihren niedlichen Kürbis-Skulpturen wurde Kusama auch zu einer Ikone hypnotischer Kunst.

Die Japanerin, die seit ihrer Kindheit an Depressionen und Halluzinationen litt und die vergangenen Jahrzehnte freiwillig in einer psychiatrischen Klinik lebte, starb bereits am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio, wie das Yayoi Kusama Museum mitteilte. Die Todesursache war laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo Multiorganversagen.

Herrschsüchtige Mutter
1929 geboren, wuchs Kusama in einem strengen und autoritären Haushalt in der Kleinstadt Matsumoto in der Präfektur Nagano auf und hatte eine schwere Kindheit. Sie litt als junges Mädchen massiv unter ihrer herrschsüchtigen Mutter, die ihre Tochter dem Vater beim Fremdgehen nachspionieren ließ.

Mit ihren Punktmustern gestaltete die Künstlerin Alltagsgegenstände, Installationen und ganze ...
Mit ihren Punktmustern gestaltete die Künstlerin Alltagsgegenstände, Installationen und ganze Räume.(Bild: AFP/INA FASSBENDER)

Diese Erlebnisse sollten bei Kusama zu Angst vor Sexualität führen, die sie später in ihrer Kunst verarbeitete. Die Strenge der Mutter, die sie an einer natürlichen seelischen Entwicklung hinderte, könnte zu Kusamas schon früh beginnender Krankheit geführt haben, die sich in Halluzinationen ausdrückte.

Erste Erfolge in New York
Die Japanerin begann, Punkt- und Netzmuster zu sehen, und fürchtete, sich darin aufzulösen. In ihrem langen Leben unternahm sie mehrere Suizidversuche. Nach dem Besuch einer Kunsthochschule in der alten Kaiserstadt Kyoto und ersten Ausstellungen entschloss sich Kusama, vor dem Druck ihrer Mutter in die USA zu fliehen. Zwischen 1958 und 1972 lebte und arbeitete sie vorwiegend in New York.

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In der Zeit der sexuellen Revolution schaffte sie es, durch ihre Performances berühmter zu werden als Andy Warhol.

Künstler Mario Ambrosius

In dieser Zeit sollten ihre bekanntesten Kunstwerke, Installationen und Happenings entstehen. „In der Zeit der sexuellen Revolution schaffte sie es, durch ihre politisch motivierten Performances in der New Yorker Kunstszene berühmter zu werden als Andy Warhol“, erzählte Mario Ambrosius, ein in Japan lebender bekannter Künstler aus Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. Ihren ersten großen Erfolg in New York hatte Kusama 1959 mit der Ausstellung „Obsessional Monochrome“. Ihre „Infinity-Net-Paintings“ zeigten Netzwerk-Kompositionen aus weißen Strichen auf schwarzem Untergrund.

„Polka Dots“ als Suche nach Unendlichkeit
Vor allem Punkte – die ihren Ursprung in ihren Halluzinationen hatten – wurden zum Markenzeichen der Künstlerin. Sie sah immerzu Muster aus Punkten und Netzen und fürchtete, sich darin aufzulösen. Die „Polka Dots“ wurden zum Ausdruck ihrer Suche nach Unendlichkeit und Selbstauflösung. In „Infinity Mirror Rooms“ genannten Räumen lieferte Kusama mithilfe ihrer Punkte, mit Kugeln, anderen Objekten, Spiegeln und Licht spektakuläre Blicke auf eine imaginierte Unendlichkeit.

Jede Menge nackter Haut
Bei ihren Happenings in New York wurden ihre „Polka Dots“ zudem auf jede Menge nackter Haut gemalt. Sie inszenierte sich als eine Künstlerin mit und in ihrem Schaffen. International bekannt wurde Kusama 1966 mit dem Happening „Narcissus Garden“. Weil ihre Arbeiten nicht für die Biennale in Venedig ausgewählt wurden, baute sie die Installation aus 1500 spiegelnden Kugeln ohne Genehmigung vor der Ausstellungshalle auf.

Lebte seit 1977 in Klinik
Ende der 1960er-Jahre griff Kusama Ideen der Hippiebewegung wie Pazifismus und Nudismus auf. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus, 1973 kehrte sie nach Japan zurück. 1977 beschloss Kusama, sich in eine psychiatrische Klinik im Tokioter Stadtteil Shinjuku einweisen zu lassen, in der sie bis zuletzt lebte und als Künstlerin arbeitete. Kusama wurde zu einer kommerziell extrem erfolgreichen, international gefeierten Künstlerin.

Die Kürbis-Skulpturen von Kusama haben Kultstatus.
Die Kürbis-Skulpturen von Kusama haben Kultstatus.(Bild: AP/JENS MEYER)

Kult-Kürbisse
In Japan werden unzählige Souvenirs und Fan-Artikel mit Motiven der Künstlerin verkauft, in Paris und anderen Orten stehen riesige Kusama-Statuen. Ihre Kürbisse, unter anderem auf der japanischen Insel Naoshima, haben Kultstatus und sind ein wichtiger Touristen-Magnet. 2012 lud die Luxus-Modemarke Louis Vuitton sie ein, die Schaufenster der hauseigenen Filialen, darunter in New York und Tokio, zu gestalten.

„Durch die Zeit rasen bis zum Tod“
In vielen ihrer Werke tritt Kusama, etwa als Fotografie, selbst in Erscheinung – in denselben Mustern gekleidet, in denen ihr Kunstwerk gestaltet ist. Durch die Camouflage verschmilzt sie visuell gleichsam mit ihrer Kunst. Bei einer Retrospektive im Berliner Gropius-Bau 2021 übermittelte eine Sprecherin die Botschaft der Künstlerin: „Durch die Zeit zu rasen bis zum Tod und dann ewig weiterzuleben in schöner Liebe für den Ruhm der Menschheit: Das ist das höchste Ziel meiner Kunst.“

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