







Der Extremsommer 2026 mit seinen massiven Hitzewellen und der gravierenden Trockenheit hat der Unteren Lobau in Wien weiter zugesetzt. Braune Wiesen, abgestorbene Weiden, die ein zweites Mal austreiben, und Pegel, deren Enden nicht einmal bis ins Wasser reichen – die Situation ist verheerend. Dem Schutzgebiet gehe es „extrem schlecht“, urteilt der WWF.
Die zwölf trockensten Monate der heimischen Messgeschichte haben auch in der Unteren Lobau ihre Spuren hinterlassen. „Wenn ich in der Lobau, die ein Viertel des Nationalparks Donau-Auen ausmacht, solche Zustände habe, dann gefährde ich Lebensräume der Arten, die hier ihr letztes Refugium haben“, sagte Michael Stelzhammer von der Naturschutzorganisation WWF bei einem Lokalaugenschein im August.
„Fehlen des Wassers ist ein Todesstoß“
Dreh- und Angelpunkt in der Diskussion ist das Wasser. Ein Augebiet lebt eigentlich vom Wechselspiel aus Hoch- und Niedrigwasser. Doch seit Beginn der Donauregulierung 1870 zum Hochwasserschutz fehle der Unteren Lobau diese Dynamik, denn sie ist fast gänzlich von der Donau abgeschnitten und verlandet zunehmend. „Das Fehlen des Wassers ist ein Todesstoß, der nicht schnell geht, sondern sich über Jahrzehnte hinzieht“, sagte Stelzhammer.








Dotation als „absolute Akutmaßnahme“
Abhilfe schaffen soll eine Dotation, also eine künstliche Wasserzuleitung aus der Donau. In der Oberen Lobau geschieht das bereits seit etwa zwei Jahren, um den ökologischen Zustand zu verbessern und der Austrocknung entgegenzuwirken, wie Andreas Januskovecz, Bereichsleiter für Klimaangelegenheiten der Stadt Wien, auf Anfrage mitteilte. Naturschützer fordern schon länger, dass Wasser aus der Oberen in die Untere Lobau weitergeleitet wird, „als absolute Akutmaßnahme – und das ist im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte Stelzhammer.
Zur Dotierung der Unteren Lobau laufen laut Januskovecz derzeit fachliche Prüfungen. Hintergrund ist die Sorge, dass dadurch die dortigen Trinkwasserbrunnen verunreinigt werden könnten. Fachleute erarbeiten deshalb seit dem Vorjahr ein Grundwasserströmungsmodell. „Erst wenn das Modell vorliegt, können die Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung konkret abgeschätzt und die Rahmenbedingungen für die Einreichung eines wasserwirtschaftlichen Versuchs festgelegt werden“, so Januskovecz.
Untere Lobau benötigt wieder Donau-Verbindung
Doch, das wissen Stadt wie Naturschützer, in einer Trockenperiode wie sie derzeit in Österreich herrscht, würde die Untere Lobau auch austrocknen, wenn Wasser aus der Oberen Lobau weiterfließen würde. Laut Stelzhammer vom WWF müsse die Untere Lobau auf Dauer wieder dynamischer mit der Donau verbunden werden.
Dabei könnte die Lobau heute ganz anders ausschauen. Sie hätte seit Jahren renaturiert sein können.
Michael Stelzhammer vom WWF
Hinzukomme, dass in den letzten Jahren das Besucheraufkommen viel stärker geworden ist. Heute leben viel mehr Menschen in der Nähe der Lobau und würden sie verstärkt als Naherholungsgebiet nutzen. Je größer der Andrang, desto größer sei auch der Druck, die markierten und erlaubten Wege zu verlassen.
Lobau-Besucher sensibilisieren
Für Faltejseks Team gilt es, die Besucherinnen und Besucher zu lenken und zu sensibilisieren. Das sei bei der heurigen Trockenheit – die ohnehin eine Herausforderung für den Forstbetrieb ist – besonders wichtig. „Auslöser des Vegetationsbrands Anfang August war wahrscheinlich eine weggeworfene Zigarette. Überraschenderweise sind Besucher am nächsten Tag schon wieder mit Zigarette in der Lobau unterwegs gewesen.“
Ob sich die wachsenden Besucherströme auch in Zukunft durch ein Augebiet bewegen, ist ungewiss. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, würde die Lobau in zehn Jahren aussehen „wie jede andere Landschaft in Österreich auch – mit einer Au hätte das wohl nichts mehr zu tun“, sagte Stelzhammer.
„Dabei könnte die Lobau heute ganz anders ausschauen. Sie hätte seit Jahren renaturiert sein können“, so der Naturschützer. Denn: Anfang der 2000er-Jahre habe es dazu bereits konkrete Pläne zur Renaturierung – inklusive Dotierung und Trinkwasseraufbereitungsanlage – gegeben. Doch das Projekt wurde gestoppt, „die Gründe dafür haben wir bis heute nicht herausgefunden“.
Von der Stadt hieß es dazu, es habe immer wieder vielversprechende Projekte gegeben, die nicht weiterverfolgt wurden, weil man negative Auswirkungen befürchtet hat.
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