Facebook und Tiktok haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Inhalte kolumbianischer bewaffneter Gruppen zur Rekrutierung von Kindern nicht unterbunden und teilweise verbreitet. Die Verbreitung von Inhalten bewaffneter Gruppen in Onlinenetzwerken verherrliche das Leben in den Reihen der bewaffneten Gruppen und werbe für „trügerische Jobangebote“, erklärte Human Rights Watch.
Seit 2021 wurden laut HRW rund 1500 Kinder von bewaffneten Gruppen in dem südamerikanischen Land rekrutiert. Diese Gruppen setzen Kinder im Kampf ein, ließen sie mit Waffen, Drohnen und Sprengstoff umgehen und nutzten sie zur Informationsbeschaffung aus. In einigen Fällen würden Kinder ohne Kampfausbildung als „Kanonenfutter“ eingesetzt.
Fast die Hälfte der rekrutierten Kinder sind den Angaben zufolge Kinder von Indigenen, obwohl diese nur rund vier Prozent der Bevölkerung ausmachen. Mädchen machten etwa 40 Prozent der rekrutierten Kinder aus und seien „besonders der Gefahr sexueller Gewalt ausgesetzt“.
Mitglieder bewaffneter Gruppen prahlen im Netz
Laut HRW gab es Beiträge in Onlinenetzwerken, in denen Mitglieder bewaffneter Gruppen mit Geldbündeln und Schmuck prahlen. In anderen Beiträgen sind sie demnach in Ausbildungslagern zu sehen oder hören „narcocorridos“ – ein mexikanisches Musikgenre, das die Taten berüchtigter Drogenhändler verherrlicht. In den Kommentaren fragten einige Nutzer, wie sie beitreten könnten.
Human Rights Watch zufolge sind Splittergruppen, die aus der aufgelösten Guerillaorganisation Farc hervorgegangen sind, für 74 Prozent der zwischen 2021 und 2025 dokumentierten Fälle von Kinderrekrutierung verantwortlich.
Die Menschenrechtsorganisation informierte nach eigenen Angaben den Facebook-Mutterkonzern Meta und den Tiktok-Eigentümer ByteDance über das Problem. Beide gaben an, die betroffenen Inhalte entfernt zu haben.
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