„Alles Gute, Wiesen!“

Festivalkult von Weltformat feiert großes Jubiläum

Burgenland
23.08.2026 09:00

„Folge dem Rhythmus!“ Zum 50-Jahre-Jubiläum ließ die Musikszene die Konzertlocation, die viele Herzen auf der ganzen Welt erobert hat, und ihren Gründer Franz Bogner hochleben: „Happy Birthday, Wiesen!“

Das muss ein Ort der 2750-Seelen-Gemeinde Wiesen einmal nachmachen! So mancher Taxifahrer in New York weiß, wo das beschauliche Dorf im fernen Europa liegt. Pianist Abdullah Ibrahim, berühmt als Dollar Brand, hatte zu Lebzeiten jedem davon erzählt. Sogar ein Tankwart auf Trinidad, der einem Steelband-Captain alte Ölfässer als Instrumente verkauft hat, kennt Wiesen im Burgenland.

Höhere Magie
„Ein mystischer, magischer Ort der Begegnung, der Musik, der Freude!“ Dieses Gefühl ging – und geht weiterhin – als künstlerische Frohbotschaft rund um den Globus. Franz Bogner (76) hatte im Juli 1976 auf dem alten Sportplatz ein Festival auf die Beine gestellt, das den Grundstein für eine schier endlose Serie an unvergesslichen Konzerterlebnissen legte.

Stars gerne zu Gast
Miles Davis, Pharoah Sanders, Dexter Gordon, Jan Gabarek, Don Cherry, Sun Ra, Gil Evans und, und, und – die Liste jener Berühmtheiten und Persönlichkeiten, die in Wiesen das Publikum begeistert haben, ließe sich sehr lange fortsetzen. Armando Anthony „Chick“ Corea, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Jazz-Pianisten und Komponisten, gehört dazu. 29 Grammy-Awards gewonnen, 75 Mal nominiert gewesen – allein diese Randnotiz spricht Bände.

Treffen in seinem Jazz-Pub in Wiesen: Franz Bogner (76) folgt sein Leben lang dem Rhythmus.
Treffen in seinem Jazz-Pub in Wiesen: Franz Bogner (76) folgt sein Leben lang dem Rhythmus.(Bild: Karl Grammer)

Aus Ergriffenheit geweint
Rasch hatte sich das Jazz-Festival in Wiesen zum „Mekka“ der besten Musiker und der Avantgarde entwickelt. Schon 1979 wurde der Ort im selben Atemzug mit den etablierten Metropolen wie Montreux, Nizza und Velden genannt. Nur einmal musste Franz Bogner Tränen vergießen. Es waren Tränen der Hochachtung und der Ergriffenheit. Jazz-Ikone Woody Shaw hatte auf der Trompete seinen Emotionen freien Lauf gelassen. Geballte Urkraft und feinste Technik prägten sein Spiel.

„Der unvergleichliche Woody, der später als No-Name unter einer Brücke einsam verstarb, hatte bei diesem Auftritt in Wiesen – so genial wie er war – sein ganzes Leid in sein Instrument gelegt. Das hat mich zutiefst berührt“, erinnert sich Franz Bogner, der ab 15 selbst Trompete gespielt hat.

Der grandiose Jazz-Trompeter Dizzy Gillespie war für ihn hingegen wie ein Großvater: „Begonnen hatte alles bei einem Act in Pörtschach am Wörthersee. Ich war Tontechniker und habe Dizzy verärgert. Beim Solo eines anderen Musikers hatte ich ihn wegen der Gefahr einer Rückkopplung auf lautlos gestellt und danach zu spät reagiert. Für Sekunden war Dizzy nicht gut zu hören, das hat für seinen Unmut schon gereicht.“ Und wie klingt Franz Bogners Resümee zu seinen großartigen Festivals? „Eine schöne Zeit“, lautet die Antwort kurz und bündig.

Drei Generationen der Festivalfamilie auf einem Blick: Juliane Bogner, inmitten von ihrem Sohn ...
Drei Generationen der Festivalfamilie auf einem Blick: Juliane Bogner, inmitten von ihrem Sohn und ihrem Vater.(Bild: Ramona Marinits)

Es wird weitergefeiert
Juliane Bogner ist längst in die Fußstapfen ihres Vaters getreten, auf ihre Art. Als vorerst letzter Höhepunkt ging vergangenen Freitag mit der schottischen Rock-Legende Nazareth („Love Hurts“) die Party für das 50-Jahre-Jubiläum der Festivalgeschichte in Wiesen über die Bühne – „Happy Birthday“ live inklusive. Beim nächsten Act mit der „Krone“ als Partner in Wiesen melden sich Nik P. & Band am 4. September zurück. Noch mehr Konzerte sind bereits geplant, getreu dem Motto: „Musik erfüllt das Leben!“

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