Redete sich in Rage

Ralf Rangnick: „Das ist eine einzige Katastrophe“

Fußball National
05.11.2026 13:32

Stargast beim Fundraising Dinner der Bewegungsinitiative „motion4kids“ war Ralf Rangnick. Der Fußball-Teamchef redete sich beim Charity-Event, bei dem 100.000 Euro für mehr Bewegung in den Volksschulen zusammenkamen, in Rage, kritisierte ein schwerwiegendes Versäumnis der Gesellschaft und die Macht der Hausmeister. Und ganz zum Schluss gab es auch noch eine kleine Spitze zum Thema Nationalstadion.

Dem früheren Lehrer Ralf Rangnick ist Bildung und Sport schon lange ein großen Anliegen. Daher kam er trotz seiner schmerzhaften Sprunggelenk-Probleme, die eine weitere Operation erfordern, mit viel Elan in die Event-Location „Mirage“ im Wiener Prater. Der Fußball-Teamchef erzählte, wie er 2017 in Leipzig seine mittlerweile nach Österreich übersiedelte Stiftung gründete. In einer ersten Bestandsaufnahme zeigte sich, dass vier von zehn Kindern in den Volksschulen nicht radfahren und schwimmen konnten. In Folge iniitierte die Stiftung zahlreiche Projekte, um diesen Zustand zu verbessern.

Schlimmstes Gift für Kinder: Zucker und Social Media
In Österreich hat die Stiftung aktuell drei Projekte in Schulen in Wien, Salzburg und Vorarlberg laufen. Der 68-jährige Deutsche sagte dazu: „Ganz wichtig ist das Thema gesunde Ernährung. Zucker ist Gift, das Kinder zu sich nehmen können. Wir erstellen mit Experten mit den Kindern einen Kühlschrank-Kompass. Für die Mamas und Papas gibt es Elternabende zu dem Thema. Die zweite Säule ist die Tägliche Bewegungseinheit mit mindestens 60 Minuten. Und ebenfalls von großer Bedeutung ist der richtige Umgang mit Smartphones und sozialen Medien.“ Die sind für ihn ein noch viel schlimmeres Gift als Zucker.

Ralf Rangnick vertrat seine Ansichten sehr emotional.
Ralf Rangnick vertrat seine Ansichten sehr emotional.(Bild: motion4kids/Paul Gruber)

„Sport darf kein lästiges Nebenfach sein“
Emotional fuhr Rangnick fort: „Kinder kommen nicht übergewichtig, adipös, bewegungsarm und handysüchtig auf die Welt. Dass wir es als Gesellschaft zulassen, dass sie sich in diese Richtung entwickeln, ist eine einzige Katastrophe. Wir Erwachsenen müssen dafür sorgen, dass die Kinder die Chance bekommen, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben. Sport darf kein lästiges Nebenfach mehr sein. Es muss endlich ein relevantes Bildungsfach werden. Fünf Stunden Sport in der Woche sollten in der Schule ganz normal werden.“

Auch das Thema Multifunktions-Arena riss der Fußball-Teamchef ganz kurz an.
Auch das Thema Multifunktions-Arena riss der Fußball-Teamchef ganz kurz an.(Bild: motion4kids/Paul Gruber)

„Die Hausmeister sind oft die mächtigsten Leute“
Zum Infrastruktur-Thema in Österreich meinte der Deutsche: „Es heißt immer, dass Österreich zu wenige Sportstättten hat. Aber lasst uns doch erst einmal die öffnen, die wir haben. Bei uns und auch in Deutschland sind oft die Hausmeister die mächtigsten Leute. Sie haben die Schüsselgewalt, entscheiden, wer rein und raus darf.“ Ganz anders ist es zum Beispiel in Dänemark. Rangnick erklärt: „Mathias Gidsel, einer der weltbesten Handball-Spieler, hat einmal gesagt, dass bei ihnen die Hallen Tag und Nacht offen sind. Und zwar schon zu der Zeit, als Gidsel selbst noch ein Kind war. Und auch in Norwegen, das in allen Sportarten ganz stark ist, hat jeder Zugang zu allen Sportstätten.“

Schlusssatz von Rangnick: „Was uns auch weiter fehlt ist eine Multifunktions-Arena. Auch die könnte einen Schneeball-Effekt für das ganze Land nach sich ziehen.“

„Der Anfang auf dem Weg zu unserem Ziel“
Bettina Glatz Kremsner, Kuratoriums-Vorsitzende von „motion4kids“, betonte nach der Veranstaltung: „Dass so viele Menschen aus Politik und Wirtschaft gezeigt haben, wie wichtig ihnen mehr Bewegung für Kinder ist, macht mir Mut. Hinter jeder Spende steht eine Volksschulklasse, die sich künftig jeden Tag mehr bewegt. Philip Newald, Vorstand von „motion4kids“, hielt fest: „Tägliche Bewegung für alle Kinder in Österreich gelingt nur, wenn die Privatwirtschaft ihre Kräfte bündelt. Der Abend war ein großer Erfolg und der Anfang auf dem Weg zu unserem Ziel.“

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