60 Grad in der Arbeit
Italienische Küchen: Hitze wird zum Risiko
In Italien wird die Sommerhitze für Beschäftigte in den Restaurantküchen zum Gesundheitsrisiko. Teilweise werden Temperaturen von mehr als 60 Grad gemeldet. Einen gesetzlichen Grenzwert, ab dem die Arbeit eingestellt werden muss, gibt es bislang nicht.
Auf die schwierigen Bedingungen macht unter anderem Restworld aufmerksam, eine Plattform für den Gastronomie-Arbeitsmarkt. Seit Anfang August seien hunderte Meldungen aus Restaurants im ganzen Land eingegangen. Die gemeldeten Temperaturen liegen zwischen 30 und 51,4 Grad. In einigen Fällen waren es sogar Werte über 60 Grad, die genannt wurden.
Tod eines Kochs sorgt für Diskussionen
Besonders aufmerksam wird die Debatte nach dem Tod des Kochs Marco Barsi, in Forte dei Marmi, in der Toskana, verfolgt. Er soll nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch in der heißen Küche seines Restaurants gestorben sein. Der Fall hat die Diskussion über den Schutz von Beschäftigten in der Gastronomie angeheizt. Denn, obwohl es in Italien allgemeine Vorschriften zum Arbeitsschutz gibt, fehlt eine konkrete Höchsttemperatur für Restaurantküchen, auch die Köche werden bisher nicht als Beschäftigte mit besonders hoher Hitzebelastung eingestuft.
Nach Einschätzung von Restworld könnten in den Sommermonaten bis zu 162.000 gastronomische Betriebe Arbeitsplätze mit besonders hoher Hitzebelastung aufweisen. Die Organisation fordert deshalb, dass die Regierung stärker eingreift.
Forderung nach besseren Schutzmaßnahmen
Restworld schlägt unter anderem einen staatlichen Fonds vor, mit dem Restaurants ihre Arbeitsplätze besser vor extremer Hitze schützen können. Dazu könnten bessere Belüftung und andere technische Maßnahmen gehören. „Das Management des Risikos für die Beschäftigten bleibt den individuellen Bewertungen der Unternehmen überlassen“, kritisiert Restworld-Gründer Luca Lotterio. Er fordert außerdem, darüber zu diskutieren, ob die Arbeit in Restaurantküchen künftig als besonders belastende Tätigkeit anerkannt werden sollte.
Wie ernst das Thema Hitze inzwischen genommen wird, zeigt ein Beispiel aus Mailand. Dort gelten bereits besondere Regeln für Essenslieferanten. Während der heißesten Stunden zwischen 12.30 und 16 Uhr sollen Lieferaufträge reduziert oder ganz ausgesetzt werden. Die Regelung soll die Beschäftigten vor der größten Hitze schützen und gilt bis zum 23. September. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter zudem über das tägliche Hitzerisiko informieren.
Für die Beschäftigten in Restaurantküchen gibt es eine solche klare Regelung bislang nicht. Während die Öfen weiterlaufen und die Gäste ihr Essen bestellen, bleibt für die Köche damit eine entscheidende Frage offen: Wie heiß darf ein Arbeitsplatz eigentlich werden, bevor Gesundheitsschutz wichtiger wird als der nächste Teller?









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