Lange wollte der Schriftsteller Michael Köhlmeier nicht über sich selbst schreiben. Jetzt hat er es doch getan. Ein Roman, der nun in einem so schwierigen Moment für ihn erscheint.
Mit einer Erzählung tat sich der Meistererzähler Michael Köhlmeier immer schwer – mit seiner eigenen: „Über sich selbst zu schreiben, ist ein heikles Unternehmen. Die Eitlen machen sich besser, als sie sind, die sehr Eitlen machen sich schlechter, auf dass der Leser als semantischer Rekonstrukteur die Veredelung und Veradelung des Autors selbst übernimmt.“
Die erzählsüchtige Familie
Ganz uneitel hat er es nun doch getan – in seinem neuen Roman „Mein privates Glück“, in dem ein bisschen Fiktion und sehr viel Wahrheit Hand in Hand gehen. Köhlmeier lässt die ersten Kindheitsjahre Revue passieren. Gemeinsam mit seiner Schwester Walli verbrachte er diese wegen einer Erkrankung der Mutter bei Verwandten in Deutschland, im fränkischen Coburg. Die Familie sei „absolut erzählsüchtig“ gewesen, wie er auf Ö1 meinte. „Ich war derjenige, der am wenigsten erzählt hat. Ich habe mich mal im Klo eingesperrt, damit ich nicht dauernd ihre Erzählungen hören musste.“ Und dennoch: „Ich wollte Schriftsteller werden. Schon mit zehn Jahren wollte ich das.“ Die besten Ratschläge für diesen Weg bekam er von seiner Großmutter: „Vielleicht war sie das Vorbild für mein ganzes Leben, wie ein Erzähler sein soll.“
Alles rüttelt sich irgendwann zurecht
Er schreibt von den Traumata der Weltkriege, deren Wunden in der Familie noch lange zu spüren waren. Von der Rückkehr in die ihm fremde Heimat Vorarlberg, zu dem ihm fremden Vater und der gelähmten Mutter – und davon, wie er der Mensch wurde, der er ist. Um zu der wunderbaren Erkenntnis zu kommen: „Alles wird sich irgendwann irgendwie zurechtschütteln, darin liegt die Zuversicht meines Lebens.“
Auf seine ganz eigene Art wandelt er mit diesem Lebensbuch auch auf den Spuren seiner Frau Monika Helfer, die mit ihrer großartigen Familien-Trilogie Erfolge feierte. Immer wieder holt er sie im Zwiegespräch in seine Erzählung hinein, man spürt die enge Verbundenheit der beiden.
Es sind Szenen, die nun zutiefst berühren, da sich Michael Köhlmeier erst vor zwei Wochen nach einem Unfall von ihr verabschieden musste . . .
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