Neue Straßennamen

Anrainer sind sauer: „Stadt ist drübergefahren“

Salzburg
14.08.2026 06:00

Fünf weitere NS-belastete Straßennamen will die Stadt Salzburg bis 2028 umbenennen. Anrainer in Aigen wehren sich gegen die Pläne. Zudem habe die Stadt sie zu spät informiert und die dafür nötigen Kosten sollten besser investiert werden. Die „Krone“ hat sich direkt vor Ort umgehört.

Wir stellen uns gegen eine Ungleichbehandlung“, sind sich mehrere Anrainer der Josef-Thorak-Straße im Salzburger Stadtteil Aigen einig. Im Zuge der Umbenennung von Nazi-Straßennamen ist ihre Adresse als nächstes dran, denn Josef Thorak war als Bildhauer während der NS-Zeit sehr erfolgreich. Im Dezember soll er durch Helene-von-Taussig ersetzt werden. Bis 2028 folgen vier weitere Straßen – von insgesamt neun, die durch eine Historikerkommission als belastet definiert worden waren.

37 Anrainer unterstützen offene Briefe an Stadtchef
„Hier derartig zu selektieren ist keine wissenschaftliche Herangehensweise“, sagt Thomas Würzburger. Wenn überhaupt, dann müssten auch wesentlich prominentere Namen des Katalogs aus dem Straßenbild verschwinden – nicht nur Thorak. Seine Argumente hat der Anrainer in einem offenen Brief an Salzburgs Bürgermeister ausformuliert. 30 Nachbarn unterschrieben.

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Zusatzschilder in der Straße, die die Geschichte erklären, sind für die Ressourcen schonender. Die Mehrheit bei uns favorisiert diese Lösung.

Thomas Würzburger

in Brief mit sechs Unterschriften stammt aus der Feder von Ulrich Swoboda. „Wie man sieht, gibt es auch Gegner der Umbenennung“, sagt er. Ihm stößt sauer auf, dass die Bürger erst kurz vor dem Beschluss des Kulturausschusses zum neuen Namen informiert wurden: „Im Herbst wird das im Gemeinderat dann wohl durchgewunken.“ Swoboda wünscht sich eine Bürgerbeteiligung.

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Die Stadt ist über die Bewohner drübergefahren. Zwei Wochen nach einem Info-Brief des Magistrats war es schon im Kulturausschuss beschlossen.

Ulrich Swoboda

Seit mehr als 50 Jahren lebt Peter Branner in der Josef-Thorak-Straße. Er betont: „Auch vor 1933 gab es dunkle Kapitel in der Geschichte. Bei neuen Namen muss es um alle gehen, auch jene die ihre Verbrechen vor der NS-Zeit begingen.“

Einig sind sich die Nachbarn bei den Kosten. Diese könnte die Stadt demnach in Wichtigeres investieren. Gesundheitsversorgung, Wohnen, Verkehr und Kinderbetreuung, heißt es dazu beim „Krone“-Lokalaugenschein. „Es wäre wesentlich ressourcenschonender, hier Schilder aufzuhängen, die Geschichte und Zusammenhänge erklären“, so Würzburger. Zudem ließe sich mit dem „Wegleugnen eines Namens“ ein dunkles Kapitel nicht auslöschen.

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