Teures Ferienende

Ein Schuljahr kostet die Eltern rund 2200 Euro

Wirtschaft
12.08.2026 21:18

Die Schule beginnt bald wieder – das freut weder Kinder noch Eltern, denn sie müssen gleich mit hohen Kosten für Tasche, Stifte & Co. rechnen. Für das gesamte Jahr summieren sich die Ausgaben laut Studie auf gut 2200 Euro. Das ist für ärmere Familien kaum leistbar, warnt die Diakonie. Sie fordert mehr finanzielle Unterstützung.

„100.000 Volksschulkinder und 85.000 Kinder in der Unterstufe leben in einkommensarmen Haushalten“, warnt der Sozialexperte der evangelischen Diakonie Österreich, Martin Schenk, vor schlechten Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang.

„Schultasche, Sportbeutel, Hefte, Stifte, Malfarben und Handarbeitskoffer – schon ein einfaches Startpaket für die Schule kann 100 bis 300 Euro kosten. Hinzu kommen noch zusätzliche Kosten. Je nach Schultyp und Schulstufe müssen zum Beispiel Kopierkosten, fachspezifisches Material, Projekt- und Wandertage sowie Elternvereinsbeiträge finanziert werden.“ All das macht laut letzter Schulkostenstudie insgesamt 2220 Euro Gesamtausgaben im Jahr aus.

Kurse, Essen und Nachmittagsbetreuung besonders teuer 
61 Prozent aller Eltern hatten Beiträge und Selbstbehalte zu entrichten, pro Schulkind kostete dies 177 Euro. Fast drei Viertel der Eltern mussten außerdem fachspezifisches Schulmaterial besorgen, welche 218 Euro pro Kind ausmachten. Ein Drittel der Eltern (37 Prozent) organisierte kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung, die mit jährlichen Kosten von 1790 Euro pro Kind verbunden waren.

Vier von zehn Haushalten hatten zusätzliche Ausgaben für die Verpflegung ihrer Kinder, was 447 Euro pro Kind ausmachte. Besonders teuer kommen zudem kostenpflichtige Nachmittagskurse (653 Euro für kostenpflichtige Nachmittagskurse, die 8 Prozent der Kinder besuchen. Und in immerhin jeder 20. Familie brauchte das Kind bereits in Volksschule bzw. Unterstufe eine besondere Förderung durch Nachhilfe  – pro Kind kostete das 1119 Euro.

11 Prozent können sich Schule nicht leisten
Die Folgen sind gravierend: Knapp mehr als die Hälfte aller Haushalte im untersten Einkommensdrittel gab an, bei den Schulkosten ihrer Kinder Abstriche machen zu müssen. Und 11 Prozent im ärmsten Drittel konnten sich einfach nicht alle notwendigen Anschaffungen leisten.

Nachhilfe größtes Problem
25 Prozent aller Schüler konnten keine bezahlte Nachhilfe erhalten, hätten sich eine solche aber gewünscht. Für Nachhilfe gaben Eltern laut Studie schon 2024 rund 750 Euro pro Schulkind aus. 60 Prozent geben daher an, durch die Ausgaben für Nachhilfe sehr oder spürbar finanziell belastet zu sein. Fast jede zweite Familie muss aufgrund der Zusatzausgaben für die Schule sogar auf andere Ausgaben verzichten. „Wenn an der Schule ein guter Förderunterricht organisiert ist, dann kann der Druck auf privat finanzierte Nachhilfe deutlich gesenkt werden“, analysiert Martin Schenk. „Auch berichten vier von zehn Eltern, dass sie fachlich nicht mehr helfen können oder von der Materie überfordert sind“. 

Gemeinsam Einkaufen, Schulausgleichsfonds, „Chancenbonus“
Es gibt aber einige Möglichkeiten, die Familien zu entlasten, drängt Schenk. Schulen könnten gemeinsam Schulmaterialien für ihre Schüler einkaufen und damit günstigere Preise für die Schulsachen aushandeln. Diese Möglichkeit sollte vom Ministerium und den Bildungsdirektionen verstärkt genützt werden, um die Kosten zu senken.

Im Rahmen der Corona-Hilfen wurde ein Geldtopf in der Höhe von 6,8 Millionen Euro für die Unterstützung von Schulveranstaltungen geschaffen. Anknüpfend daran könnte die Regierung einen Schulausgleichsfonds gestalten, der zukünftig bei einkommensschwachen Schülern die hohen Kosten bei Schulreisen und Schulveranstaltungen mitträgt.

Der angekündigte „Chancenbonus“ böte ebenfalls eine Möglichkeit, an benachteiligten Schulstandorten bei Lernförderung und Schulinfrastruktur zu investieren.

Im September 121 Euro Schulstartgeld
Dringend reformbedürftig sind die Grundleistungen, die Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern unterstützen. Die Auszahlung der Schülerbeihilfe sollte beispielsweise auch die neunte Schulstufe erfassen. Gerade hier gibt es hohe Kosten im Ausbildungsjahr – und die Ausbildungsentscheidung steht an. Ein weiteres Problem: Viel zu wenige Kinder, die sie brauchen könnten, wissen davon.

Im September kommt wie jedes Jahr 121 Euro Schulstartgeld auf die Konten der Familien schulpflichtiger Kinder. Sie ist das Überbleibsel der vor über 10 Jahren gestrichenen 13. Familienbeihilfe. Für Kinder in einkommensschwachen Haushalten sind fürs gesamte Schuljahr zweimal 150 Euro Gutscheine vorgesehen. In manchen Bundesländern gibt es die Möglichkeit einer eigenen Schulstarthilfe.

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