„Jüdische Rache“

Lage im Westjordanland eskaliert: Moscheen brennen

Ausland
26.07.2026 16:27
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und Israelis mit sechs Toten am Freitag im Westjordanland hat am Wochenende zu Razzien und Verhaftungen geführt. Die Lage hat sich am Sonntag weiter aufgeschaukelt. Zwei Moscheen wurden in Brand gesteckt.

Zudem haben israelische Siedler hebräische Parolen an die Wände gesprüht, darunter „Jüdische Rache“ und den Namen eines der Israelis, die am Freitag bei einer Schießerei im Westjordanland getötet worden waren. „Das Dorf Kusra ist seit 2011 wiederholt angegriffen worden“, sagte Gemeinderatsvorsitzender  Abdel Asim Wadi der Nachrichtenagentur Reuters. „Diese Angriffe haben seit dem Krieg zugenommen.“

Besucher des Gottesdienstes löschten Flammen
Palästinenser-Vertretern zufolge versuchten Siedler zudem, eine Moschee in der Nähe von Kur südöstlich der Stadt Tulkarm niederzubrennen. Drei Siedler hätten sich im Morgengrauen bemüht, das Feuer zu legen, sagte Farid Jiyusi, ein Mitglied des Gemeinderats. Besucher des Gottesdienstes hätten die Flammen löschen können, bevor sie den Hauptbereich der Moschee erreichten. Auch dort seien hebräische Graffiti an die Wände gesprüht worden. „Dies ist der erste Angriff, den unser Dorf erlebt hat“, sagte Jiyusi.

Israelische Soldaten in der Stadt Tulkarm
Israelische Soldaten in der Stadt Tulkarm(Bild: AFP/Jaafar Ashtiyeh)

Das israelische Militär teilte mit, nach Kusra geschickte Truppen hätten Graffiti und Anzeichen von Brandstiftung gefunden. Es werde nach Verdächtigen gesucht. Die Polizei werde Beweise sichern. „Die Sicherheitskräfte verurteilen Vorfälle dieser Art, einschließlich der Beschädigung religiöser Stätten, aufs Schärfste und werden weiterhin entschlossen handeln, um die Sicherheit und die öffentliche Ordnung in dem Gebiet aufrechtzuerhalten“, hieß es in der Mitteilung.

Vier Palästinenser, zwei israelische Soldaten tot
Erst am Freitag waren bewaffnete israelische Siedler in die Umgebung des palästinensischen Dorfes Tal südwestlich von Nablus eingedrungen. Bei einem Schusswechsel wurden vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten getötet. Nach Angaben der Vereinten Nationen und der Palästinensischen Autonomiebehörde reiht sich der Vorfall ein in eine wachsende Serie von Zusammenstößen mit Siedlern, bei denen heuer schon Dutzende Palästinenser getötet und Hunderte verletzt wurden.

Netanyahu verspricht weitere israelische Siedlungen
Nach dem Vorfall vom Freitag ordnete der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der bei der Parlamentswahl im Oktober wiedergewählt werden will, eine Verstärkung der Truppen im Westjordanland an. Er kündigte zudem an, dass zur Erhöhung der Sicherheit dort weitere Siedlungen genehmigt würden. Solche Siedlungen sind schwer gesichert und werden vom Militär geschützt. International sind sie nicht anerkannt. Die Vereinten Nationen werten die Siedlungen als Verstoß gegen das Völkerrecht, die allermeisten Staaten weltweit – darunter auch Österreich – teilen diese Einschätzung. 

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