Kritik aus Politik

Theater stellt Planschbecken um 300.000 Euro auf

Deutschland
07.08.2026 20:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Vor einem der wichtigsten Theater Deutschlands kann man jetzt planschen. Das temporäre Schwimmbecken kostet Hunderttausende Euro – das sorgt ordentlich für Kritik. Inspiration für das Riesenbecken war übrigens eine Österreicherin: die umstrittene Künstlerin Florentina Holzinger.

In den letzten zwei Wochen habe die Stadt über nichts anderes geredet als darüber, ob das „Volksbad“ nun eine Super-Idee oder bescheuert sei, sagt der neue Intendant Matthias Lilienthal der Deutschen Presse-Agentur. Billig ist das ganze Projekt nämlich nicht. Insgesamt rund 300.000 Euro kostet der Aufbau und Betrieb des Beckens. Laut dem Theater bewegt sich eine große Theaterproduktion kostentechnisch in einem vergleichbaren Bereich.

„Sollten besser Plätze füllen“
Das Theater wird laut dem Sender zdfheute jedes Jahr mit mehr als 20 Millionen Euro bezuschusst. Aus der Politik kommt auch prompt Kritik. Statt sich den Traum des Bademeisters zu erfüllen, „sollten besser die Plätze bei den Vorstellungen gefüllt werden“, findet die SPD-Abgeordnete Dunja Wolff aus dem Berliner Abgeordnetenhaus.

Bei vielen Berlinern kommt das Bad allerdings gut an, erzählt Lilienthal. Vor ein paar Tagen sei eine Anrainerin gekommen und habe gesagt: „Ick gloobe, du hast ja echt ‘nen vollen Dachschaden“. „Dann habe ich mich für das Kompliment bedankt, und dann hat sie gesagt, sie liebt das Volksbad“, sagt Lilienthal, der auch selbst schon im Wasser war.

Das Schwimmbad soll bis Oktober auf dem Rosa-Luxemburg-Platz bleiben, bis dahin sollen rund 20.000 Badegäste in dem gemieteten Becken planschen. Der Besuch ist kostenlos – Zeitfenstertickets kann man immer drei Tage vorher online buchen. Für Lilienthal ist das Projekt auch ein politischer Protest gegen verfallende Infrastruktur.

Florentina Holzinger lässt in Venedig nackte Frauen Jetski fahren.
Florentina Holzinger lässt in Venedig nackte Frauen Jetski fahren.(Bild: Nicole Marianna Wytyczak)

Von Österreicherin inspiriert
Inspiriert ist das Projekt von Performancekünstlerin Florentina Holzinger, die derzeit den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielt. Dort lässt sie Frauen etwa nackt Jetski fahren. An der Volksbühne hatte sie unter anderem „Ophelia‘s Got Talent“ mit einem Wasserbecken inszeniert. 2028 soll Holzinger an der Volksbühne dann noch ein Stück inszenieren und sie plant auch 

Für ihn sei die Aktion auch ein wenig in Erinnerung an Regisseur Christoph Schlingensief, sagte Lilienthal. Der habe immer geschimpft über die Bilder von Filmemacher Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“). „Als ich dann Rückenschwimmen gemacht habe und nach oben geguckt habe, habe ich gedacht: Der Himmel über Berlin ist doch nicht so doof.“

Offiziell eröffnet wird Lilienthals erste Spielzeit im Oktober. Er ist Nachfolger des früheren Intendanten René Pollesch, der vor zwei Jahren überraschend gestorben war. Weil derzeit noch die Obermaschinerie im Theater saniert wird, hat Lilienthal vorab das Wasserspektakel organisiert.

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