Plastikmüll wird Club-Musik: Die Linzer Künstlerin Crystn Hunt Akron verbindet in ihrem Projekt „Plasticphonia“ Performance, Klang und Umweltschutz. Sie tritt bei der Ars Electronica auf. Im Interview erzählt sie von ihren Inspirationen und wie sie für ihre Auftritte trainiert.
Plastikmüll wird zu tanzbarem Sound: Die Linzer Künstlerin Crystn Hunt Akron verbindet elektronische Klänge, Performancekunst und Umweltbewusstsein. Bekannt wurde sie mit ihrem Projekt „Plasticphonia – Music from the Ocean“. Aus Flaschen und Plastikabfällen entstehen elektroakustische Kompositionen, eigentlich Clubbing-Musik, die auf Umweltverschmutzung aufmerksam machen. Mit der Performance tourte sie zuletzt in den USA, in Ägypten und Kanada.
Im Herbst tritt Crystn Hunt Akron in Linz auf: Am 9. September präsentiert sie ihr neues Musikvideo „Rise“ bei der Eröffnung des Ars Electronica Festivals; am 26. September feiert ihr Tanzstück „Worship“ im Musiktheater Premiere.
„OÖ-Krone“: Sie heißen im bürgerlichen Namen Christine Hinterkörner, ihr Künstlername ist Crystn Hunt Akron. Was ist der Unterschied?
Crystn Hunt Akron: Christine Hinterkörner ist die Person mit Biografie, Alltag und Kontext. Crystn Hunt Akron ist eine künstlerische Projektion – eine Art Medium. Der Unterschied liegt weniger in der Haltung als in der Freiheit: Als Crystn kann ich Zuspitzungen vornehmen, kann überzeichnen, kann unbequem sein. Diese Trennung hilft mir, persönliche und gesellschaftliche Themen gleichzeitig nahbar und abstrahiert zu verhandeln.
Ihr Projekt „Plasticphonia“ greift die Verschmutzung der Meere auf.
Es geht konkret darum, Plastikmüll ernst zu nehmen. Das Material, das wir normalerweise wegwerfen, wird bei mir zur Quelle von Musik – und damit auch zum Träger einer neuen Wahrnehmung.
Das ist sehr ungewöhnlich. Verraten Sie uns, wie Sie Ideen für Ihre Projekte bekommen?
Meine Projekte entstehen oft aus Materialien heraus oder aus ungewöhnlichem Soundmaterial, das mir beiläufig in meinem Alltag oder auf Reisen unterkommt. Sounds „springen“ mich regelrecht an oder „Materialien“ faszinieren mich.
Geht es nur um Musik und tanzen? Oder was soll beim Publikum ankommen?
Ich möchte, dass es innehält und Dinge neu hört oder sieht und sich dabei auch noch dazu bewegt – körperlich wie geistig.
Wie anstrengend sind ihre Performances? Müssen Sie dafür viel trainieren?
Es ist körperlich intensiv, insbesondere auch das Reisen mit Equipment. Ich meditiere, mache Krafttraining und laufe regelmäßig auf den Pöstlingberg, um in die Tiefenatmung zu kommen, meine Lungen gut zu belüften und meinen Zellen eine Frischkur zu gönnen.
Crystn Hunt Akron Neues Album „Plasticphonia – a Club Hymn against Climate Change“.
Termine: 9. September: Musikvideo „Rise“, Ars Electronica Festival Opening Mariendom, Linz;
10. September: „Rise“ – Performance Night, Ars Electronica Festival, Linz
26. September: Tanzstück „Worship“ – Premiere im Musiktheater, Linz
15. November: Soundinstallation & Performance „Bauernkriege“, Eferding
Sie werden ja bei der Ars Electronica dabei sein. Was bereiten Sie vor?
Mein neues Musikvideo „Rise“, welches vor kurzem in einem Wald in Hellmonsödt gedreht worden ist. Die Kostüme stammen von der Designerin Maryana Steshenko. Das Video ist für mich auch eine Hommage an die Natur – ich bin sehr naturverbunden. Und „Rise“ bedeutet für mich zugleich Erneuerung, Wiederauferstehung, Neubeginn und pure Lust: „My fire will burn again.“
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