Agrarbilanz

Dürre und Hitze machten unsere Ernte fast zunichte

Oberösterreich
30.09.2026 17:00
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

Die Bauern haben das laut Landwirtschaftskammer Oberösterreich „schwierigste Ackerbaujahr der Geschichte“ hinter sich. Im Bundesland erwartet man 35 Prozent weniger Ertrag bei Soja und fast 50 Prozent weniger bei Körnermais. Auch im Gemüse- und Obstbau gab es je nach Kultur riesige Ausfälle, bei den Kartoffeln könne es 2027 Versorgungsengpässe geben.

Der Frühling 2026 war österreichweit der niederschlagsärmste seit Beginn der Messreihe seit 169 Jahren, in Oberösterreich fehlen im Schnitt 37 Prozent – mancherorts bis zu 50 Prozent – des üblichen Jahresniederschlags, hinzu komme die Hitze als Stressfaktor für die Pflanzen. Man sehe, „wie verwundbar die Produktion unter freiem Himmel gegenüber Wetterextremen geworden ist“, so Präsident Franz Waldenberger in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Laut Österreichischer Hagelversicherung belaufen sich die Dürreschäden österreichweit auf rund 1 Mrd. Euro.

Futtermittelproduktion stark betroffen
Besonders betroffen von der Dürre war die Grünlandwirtschaft. In der Folge mussten Futtermittel importiert werden und rund 20 Prozent der Körnermaisflächen wurden vorzeitig als Silomais geerntet. Da auch der durchschnittliche Hektarertrag bei Körnermais gegenüber dem Vorjahr von 12,4 Tonnen auf 7,8 Tonnen pro Hektar schrumpfte, sank der Körnermais-Gesamtertrag gegenüber dem Vorjahr fast um die Hälfte – von 639.000 Tonnen auf 324.000 Tonnen. Hinzu kommt, dass es durch die Hitze heuer erstmals zu Belastungen mit Aflatoxin (einem Schimmelpilzgift) kam.

Der Sojaertrag dürfte um 35 Prozent auf durchschnittlich 2,5 Tonnen pro Hektar zurückgehen. Dennoch sieht Pflanzenbaudirektor Helmut Feitzlmayr in der Sojabohne „eine Kultur mit Potenzial“. Besonders interessant seien neue, sehr frühe Sorten, mit denen man zusätzliche Anbauregionen erschließen könne.

Schlechte Zuckerrübenernte
Die oberösterreichische Zuckerrübenernte dürfte mit rund 70 Tonnen pro Hektar etwa ein Viertel hinter den Vorjahreserträgen zurückbleiben. Österreichweit sieht es teils noch schlechter aus. Erstmals in der Nachkriegszeit könne der Zuckerbedarf der österreichischen Bevölkerung im Ausmaß von 270.000 Tonnen nicht mehr gedeckt werden, rechnete Feitzlmayr vor, die Eigenversorgung sei auf 74 Prozent gefallen.

So sieht´s beim Gemüse aus
Beim Ölkürbis gibt es große regionale Unterschiede. Im Schnitt erwartet man aber einen Ertrag bei etwa 900 Kilo je Hektar. Für Oberösterreich wird die Situation derzeit tendenziell günstiger eingeschätzt als in vielen Regionen Niederösterreichs, österreichweit dürfte die Kürbisernte aber nur mäßig ausfallen. Auf den rund 2.080 Hektar Gemüseanbaufläche im Bundesland Oberösterreich werden je nach Kultur und Standort Rückgänge der vermarktungsfähigen Erträge von 30 bis teilweise 80 Prozent erwartet. Besonders gelitten haben Wurzelgemüse wie Karotten oder Rote Rüben. Bei Erdäpfeln zeichnen sich aufgrund der schlechten Erträge inzwischen Versorgungsengpässe für 2027 ab.

Auch Obst und Hopfen litten
Im Obstbau sind zwar die Schäden durch Frost im Frühling und durch Hagel weitgehend ausgeblieben, der Wassermangel ließ die Früchte aber klein bleiben. Im Kernobstbau werden Ertragsverluste von bis zu 50 Prozent erwartet. Die Qualität der Äpfel und Birnen ist hingegen aufgrund der vielen Sonnenstunden gut. Steinobst – Kirschen, Marillen und Zwetschken – lieferte überwiegend gute Ernten, Beerenobst litt hingegen stark unter der Witterung. Bei Walnüssen wird eine gute Ernte erwartet, bei Haselnüssen weniger. Schlechte Nachrichten für Bierfreunde: Die Mühlviertler Hopfengenossenschaft erwartet, dass ihre Ernte rund 30 Prozent hinter dem langjährigen Durchschnitt liegen wird.

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