Mit dunklem Geheimnis

Dürre bringt altes „Geisterschiff“ zum Vorschein

Ausland
31.07.2026 13:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Da der deutsche Rhein derzeit besonders wenig Wasser führt, kommt ein ungewöhnlicher Anblick zum Vorschein: An der Mündung des Silbersees bei Neuss ragt ein altes Schiffswrack aus dem Schlamm. Hinter dem rostenden Aalschokker verbirgt sich eine Geschichte aus Fischerei, Eifersucht und einem bis heute ungeklärten Untergang.

Bei normalem Wasserstand ist von dem alten Schiff kaum etwas zu sehen. Meist ragt nur die Mastspitze aus dem Rhein. Sinkt der Pegel jedoch stark ab, wird der ehemalige Aalschokker an der Grenze zwischen Neuss und Dormagen wieder sichtbar – zuletzt war das im Jahr 2022 der Fall.

Der Neusser Karl-Heinz Burghartz, der auf seiner Internetseite „Linksrheinisches rund um Neuss“ historische Informationen aus der Region sammelt, dokumentiert das Auftauchen des Wracks seit Jahren. Nach seinen Angaben war das Schiff bereits 2003 erstmals nach seinem Untergang wieder vollständig zu sehen, später erneut im Jahr 2018.

Schiff früher fester Bestandteil des Flusses
Bei dem Wrack handelt es sich vermutlich um einen Aalschokker, der etwa im Jahr 1906 gebaut wurde. Diese speziellen Boote wurden für den Fang von Aalen entwickelt und waren früher ein fester Bestandteil der Rheinlandschaft „Früher gehörten die Wasserfahrzeuge zur Rhein-Silhouette von Zons oder Neuss“, schreibt Burghartz. Die Fischerei sei damals ein wichtiger Wirtschaftszweig gewesen, mit den Schokkern hätten alte Fischerfamilien ihren Lebensunterhalt verdient.

Der Beruf des Rheinfischers verschwand jedoch zunehmend. Durch die Industrialisierung verschlechterte sich die Wasserqualität des Flusses, was seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem starken Rückgang der Fischbestände führte.

Die Geschichte der „Conny“
Das Schiff soll ursprünglich den Namen „Conny“ getragen haben. In den 1990er-Jahren gehörte der Aalschokker wohl einem Fischer, der unter dem Spitznamen „Aal-Friedel“ bekannt gewesen sein soll. Der Mann soll fast zwei Jahre lang seine ehemalige Partnerin und deren neuen Freund verfolgt haben. Bei dem neuen Partner handelte es sich laut den Berichten um seinen früheren besten Freund.

Am 29. November 1993 kam es schließlich zu einem Angriff: Der Fischer soll das Paar mit einem Messer verletzt haben und wurde wegen versuchten Mordes verurteilt. Über den Fall berichtete unter anderem die deutsche „Bild“ unter Berufung auf einen früheren Bericht aus dem Jahr 1994.

Untergang bis heute ungeklärt
Während der Fischer im Gefängnis saß, sank die „Conny“ im Jänner 1994 – warum, ist bis heute nicht geklärt. Nach seiner Entlassung soll der Mann laut Burghartz versucht haben, Geld für eine Bergung des Schiffes aufzutreiben. Der Versuch blieb erfolglos. Danach verlor sich seine Spur. Was aus dem ehemaligen Fischer geworden ist, ist unbekannt.

Auch eine Bergung des Wracks ist derzeit nicht geplant. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes stellt das Schiff keine Gefahr für die Schifffahrt dar, da es weit außerhalb der Fahrrinne liegt und sicher vertäut ist. So bleibt der alte Aalschokker im Rhein weiterhin ein rätselhaftes Relikt vergangener Zeiten – und taucht wohl erst wieder auf, wenn der Fluss erneut ungewöhnlich wenig Wasser führt.

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