Angesichts von bereits 30 Hitzetagen im Ländle kritisiert der Vorarlberger Verein „KlimaVOR!“ die Politik scharf. Während die Klimakrise für alle spürbar sei, würden klimaschädliche Projekte wie die Bodenseeschnellstraße S18 vorangetrieben und Klimaziele weit verfehlt.
Vorarlberg leidet unter einer außergewöhnlichen Hitzewelle. Bereits 30 Hitzetage wurden in diesem Jahr gezählt – doppelt so viele wie im Vorjahr und zehnmal mehr als im langjährigen Durchschnitt von 1961 bis 1990. Für den Verein „KlimaVOR!“ ist das ein Alarmsignal. Dessen Obfrau Babette Hebenstreit betont: „Die Klimakrise ist spürbar.“ Sie vermisst allerdings eine energische Reaktion der Politik auf die ernste Lage.
CO₂-Ziele werden weit verfehlt
Die offiziellen Zahlen belegen den dringenden Handlungsbedarf: Im Jahr 2024 beliefen sich die CO₂-Emissionen in Vorarlberg auf 1,8 Millionen Tonnen. Das selbst gesteckte Ziel von 1,2 Millionen Tonnen für das Jahr 2030 rückt damit in weite Ferne. „Vorarlberg müsste seine Anstrengungen verdoppeln, tatsächlich ist das Gegenteil der Fall“, kritisiert Hebenstreit. Dabei sei es dringlicher denn je, konsequente Klimaschutz-Maßnahmen zu ergreifen.
„Der Klimawandel kostet Menschenleben“
Der Verein fordert ein deutlich höheres Tempo bei der Klimawandel-Anpassung, denn die Erderwärmung koste Menschenleben. „Wir brauchen Bäume statt Beton, Schatten statt neuer Straßen“, betont Hebenstreit. Insbesondere für Kinder und ältere Menschen seien Hitzeschutzmaßnahmen entscheidend. „Bund, Länder und Gemeinden müssen massiv in die Anpassung an den Klimawandel investieren. Das geht alles viel zu langsam”, schimpft Hebenstreit.
Rückschritte beim Klimaschutz
Mehr noch: „KlimaVOR!“ sieht sogar Rückschritte beim Klimaschutz: Förderungen für Klima-Maßnahmen würden reduziert, klimaschädliche Subventionen blieben hingegen bestehen. „Die Klimaziele werden infrage gestellt, bereits beschlossene Regelungen wie das Verbrenner-Aus zurückgenommen. Dabei sollte allen klar sein, dass die Temperatur mit jeder ausgestoßenen Tonne Kohlendioxid weiter ansteigt”, so Hebenstreit.
Bund, Länder und Gemeinden müssen massiv in die Anpassung an den Klimawandel investieren. Das geht alles viel zu langsam.
Babette Hebenstreit
Schulterschluss gefordert
Hart ins Gericht geht sie nicht zuletzt mit der Vorarlberger Landesregierung, die ein völlig aus der Zeit gefallenes Vorhaben wie die S18-Bodenseeschnellstraße als „Vorprojekt“ bejuble. Der Verein fordert nun einen Schulterschluss von Politik, Unternehmen und Bevölkerung: „Alle müssen ihren Teil beitragen. Die Politik muss Rahmenbedingungen gestalten, die Klimaneutralität ermöglichen. Für Sanierung. Für Entsiegelung. Für aktive Mobilität.”
Gamon sieht das Land in der Pflicht
Auch die NEOS stimmen in die Kritik von „KlimaVOR!“ mit ein. „Bodensee auf Rekordtief, Gemeinden am Wasserlimit, See- und Strandbäder geschlossen und die Alpwirtschaft unter Druck – die Klimawandelanpassungsstrategie des Landes beschreibt diese Risiken seit Monaten, bleibt bei den Lösungen aber zu unverbindlich. Das Land muss endlich ins Tun kommen“, spricht Klubobfrau Claudio Gamon Klartext. „Bis heute gibt es weder einen konkreten Gesetzesentwurf zur angekündigten Novelle des Naturschutzgesetzes noch einen nachvollziehbaren Maßnahmenplan. Wieder einmal ist es bei Ankündigungen geblieben.“ Als Obfrau des Umwelt- und Klimaschutzausschusses wird Gamon das Thema im Herbst auf die Tagesordnung setzen und einen eigenen Ausschuss fordern, idealerweise unter Einbeziehung von Expertinnen und Experten.
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