Bayreuther Festspiele

Wenn Wagners „Rheingold“ im KI-Ramsch versinkt

Kritik
29.07.2026 09:45

Die künstliche Intelligenz versagt als Opern-Werkzeug zum Bayreuther „Ring des Nibelungen“-Auftakt. Auch musikalisch gibt es kaum Rettung.

kmm

Der Vorhang sinkt herab und das Publikum bricht in kollektives Buhen aus: Da ist wohl etwas arg schiefgelaufen.

Soeben erlebt im Festspielhaus von Bayreuth. Nach einem „Rheingold“, das sprachlos zurücklässt. 

Oder eher halb blind, verstört, verwirrt, sterbensgelangweilt. Von einem Gewitter an seltsamen, hässlichen, banalen, kitschigen, farbverwirrten KI-Bildkompositionen, die ziemlich sinnbefreit, kaum konform mit Musik und Handlung auf einen einprasseln. Projiziert auf Gaze-Leinwände viel zu weit von der Bühnenrampe entfernt. 

Der Grund: das Budget. Zum 150-Jahr-Jubiläum reichte das Geld in Bayreuth nur für die (gelungene) „Rienzi“-Neuproduktion. Den „Ring des Nibelungen“, mit dem 1876 das Festspielhaus eröffnet wurde, gibt es nur in Sparversion. „Ring 10010110 – vom Mythos zum Code“ nennt man das im Beititel.

Rauschgoldengel-Truppe im dämmrigen Nirwana
Aber wer will diesen Code knacken? Man knackt eher weg, vor einem grandios langweiligen Opernabend, erstickt durch künstliche Bilder-Intelligenz. Die ist natürlich vom Menschen programmiert und mit Material gefüttert. „Kuratiert“ nennt man das in Bayreuth. Von Marcus Lobbes, Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, und einer für das läppische Ergebnis enorm großen Mannschaft.

Und die Sänger? Die stehen zwischen den Projektionsflächen im dämmrigen Bühnennirwana weit hinten, singen, treten wieder ab. In Kunsthandwerks-Kostüm-Ungetüme in Grau, Schwarz, Silber gesteckt, stehen sie wie eine abgebrannte Rauschgoldengel-Truppe herum. Wenn sie sich am Ende verbeugen, kann man sie in ihrer Talmi-Verpackung kaum identifizieren. 

Außer Klaus Florian Vogt als artig-blasser Loge oder Michael Volle, der den Wotan jüngst in Wien bestechender sang. Natürlich erkennt man Christian Thielemann, der sich nach einem klangvollen Vorspiel für ein routiniert spannungsloses Dirigat deutliche Buh-Rufe einfängt. Das alles macht bange vor dem „Ring“-Rest. Stefan Musil

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