In Ruprechtshofen, Bezirk Melk (Niederösterreich), hat man einst zu viel Fläche für Gräber angekauft. Heute liegt hier die Saat für frisches Gemüse unter der Erde.
In jener Erde, die jahrelang für die letzte Ruhe reserviert war, gediehen diesen Sommer Melonen. „Bei der Hitze sind die Melonen besonders gelungen“, freut sich der Projektleiter des beliebten „Friedhof-Gartens“, Johannes Eßmeister. Für wenig Geld – nur 30 Euro im Jahr – wird neben den eigentlichen Ruhestätten in Ruprechtshofen friedlich Gemüse gepflanzt. 27 freie Grabflächen wurden vor einem Jahr zu Beeten umfunktioniert.
Immer weniger Erdbestattungen
Vor vielen Jahren hat die Gemeinde das Grundstück neben dem Friedhof gekauft, um Flächenreserven für eine eventuelle Erweiterung des Begräbnisplatzes zu haben. Aber traditionelle Erdbestattungen liegen immer weniger „im Trend“. „Viele entscheiden sich für Urnen oder alternative Begräbnisse im Wald“, bestätigt Bürgermeister Leopold Gruber-Doberer.
Auf die ungenutzten Flächen für Grabstätten wurde Johannes Eßmeister vom Verein Kreislaufregion Melk-Scheibbs aufmerksam. „Unter anderem beschäftigen wir uns damit, wie brachliegende Flächen in Orten besser genutzt werden können, sodass auch die Gemeinschaft etwas davon hat.“ Vorbild für den Garten war Wien, wo sich Städter ohne Balkon zum Beispiel im Augarten im 20. Bezirk zum gemeinsamen Ernten treffen.
Bis zu fünf Beete pro Haushalt
In Ruprechtshofen darf ein Haushalt zwei bis fünf Beete „begarteln“. Für die Bewässerung und die Komposterde sorgen Gemeinde und Verein – die Gemüsegärtner können sich also voll und ganz auf Zucchini, Karfiol und Co. konzentrieren. Oft bekam der Verein im ersten Gartenjahr Vorwürfe zu hören. „Viele dachten wir pflanzen pietätlos Salat über einem Sarg unter der Erde“, schildert Eßmeister – was nicht stimmt. „Ich freue mich einfach, dass die Leute wieder Bezug zu heimischen Lebensmitteln bekommen“, freut sich auch der Ortschef über Gemüse vom „Gottesacker“.
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