Bregenzer Festspiele

Sensationelle Dirigentin sorgt für Jubelstürme

Vorarlberg
28.07.2026 17:00
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

In unterschiedliche Epochen und Länder führte das Programm des ersten Orchesterkonzerts bei den Bregenzer Festspielen. Dieses wurde zu einem einzigartigen Erlebnis – der famosen Dirigentin Dalia Stasevska sei Dank.

Auch im zweiten Jahr der Intendanz von Lilli Paasikivi ist klar erkennbar, dass der programmatische Fokus einerseits auf Skandinavien, andererseits auf weiblichen Musikschaffenden liegt. Beides erfüllt die Dirigentin Dalia Stasevska, die zwar in der Ukraine geboren wurde, aber seit ihrer Kindheit in Finnland lebt. Derzeit hat sie den Posten der Chefdirigentin des BBC Symphony Orchestra inne. Beim ersten Orchesterkonzert der Bregenzer Festspiele sorgte die zierliche, knapp über Vierzigjährige für eine Sensation. Denn selten brach nach einem Konzert im Festspielhaus ein solcher Jubel aus wie nach Antonín Dvořáks berühmter Sinfonie „Aus der Neuen Welt“.

Überraschend und überzeugend
Wer glaubte, dieses Werk zu kennen, kam aus dem Staunen nicht heraus. Denn alles klang völlig neu und überraschend, dabei alles andere als manieriert, sondern schlüssig und überzeugend. Mit nie nachlassender Präsenz suggerierte Dalia Stasevska den bestens motivierten Wiener Symphonikern ihre besondere Lesart, die die Kontraste viel mehr als sonst herausarbeitete und ganz neue Gewichtungen schuf, etwa zwischen der Gruppe der Holzbläser und den Streichern. Da klang das berühmte Solo des Englischhorns im zweiten Satz wie aus der Ferne, während etwa der Schluss der Sinfonie einen nahezu feierlich-spirituellen Charakter annahm. Eine sensationelle Interpretation, die wohl schwerlich zu überbieten sein dürfte, wenn dieselbe Sinfonie im November durch das SOV und im April bei einem Bregenzer Meisterkonzert erklingen wird- eine eklatante Fehlplanung übrigens!

Minutenlange Standing Ovations
Sensationell war auch das Werk vor der Pause, Lili Boulangers Kantate „Faust et Hélène“, die die 1893 geborene französische Komponistin im Alter von 20 Jahren schrieb. Das staunende Publikum erlebte eine ungemein farbenreiche, meisterlich instrumentierte Orchesterpartitur, ausdrucksstarke Gesangspartien und einen schlüssigen Text, von Eugene Adémis eingerichtet nach Goethe. Andrew Staples war ein Faust mit leuchtendem Tenor, Rafael Fingerlos ein fast zu sympathischer Mephisto und Emily D’Angelo eine überzeugende Helena, apart und geheimnisvoll. Hier wie auch im einleitenden Werk, einer sphärischen Stimmungsskizze für großes Orchester mit dem Titel „Ciel d’hiver“ von Kaija Saariaho, leisteten die Wiener Symphoniker unter Dalia Stasevska Großartiges. Ein wahrhaft festspielwürdiges Konzert, das mit Standing Ovations bedankt wurde!

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