Die Sparpläne der Bundesregierung im Doppelbudget 2027/2028 treffen die Straffälligenhilfe hart – mit spürbaren Folgen für Vorarlberg. Weil dem Verein Neustart in den kommenden zwei Jahren insgesamt acht Millionen Euro fehlen, wird das Arbeitstraining für Haftentlassene im kommenden Jahr komplett eingestellt.
Die Schließung der Werkstätten in Wien und Linz trifft auch Insassen aus Vorarlberg direkt. „Vorarlberger, die eine längere Freiheitsstrafe in Ostösterreich verbüßen, verlieren dadurch die Möglichkeit, im Rahmen des Freigangs in unseren Werkstätten Außenarbeit zu leisten“, erklärt Johannes Pircher-Sanou, Leiter von Neustart Vorarlberg. Die Werkstätten gaben den Betroffenen Tagesstruktur und erleichterten die Rückkehr ins Erwerbsleben. Im Jahr 2025 wurden dort 326 Personen betreut; acht hauptberufliche Mitarbeiter verlieren nun ihren Arbeitsplatz.
Betreuungsauslastung im Ländle bei über 110 Prozent
Ebenfalls kritisch ist die Lage in der Bewährungshilfe vor Ort. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Obergrenze von maximal 35 Klienten pro Bewährungshelfer. Im österreichweiten Schnitt lag die Zahl im August 2026 bereits bei rund 40. In Vorarlberg ist die Situation noch angespannter: „Aktuell betreuen wir 537 Klienten. Damit liegt unsere Auslastung bereits bei über 110 Prozent“, erklärt Pircher-Sanou. Weitere Kürzungen erschwerten es massiv, die notwendige Betreuungsintensität aufrechtzuerhalten.
Die Verantwortlichen von Neustart hoffen weiterhin auf ein Einlenken der Politik und warnen vor den Spätfolgen: Arbeit und soziale Absicherung seien die wichtigsten Faktoren, um Rückfälle zu verhindern. Die Kürzungen würden letztlich auf Kosten der Sicherheit im Land erfolgen.
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