Legendäre Songs und große Emotionen: Das Musical „Hair“ eroberte beim Musikfestival Steyr schon nach wenigen Minuten die Herzen des Publikums. Auf der Bühne tanzt, singt, chillt und träumt eine Gruppe junger Hippies von Love & Peace. Sie lassen mit grandiosen Stimmen legendäre Songs wie „Aquarius“ und „Let the Sunshine In“ aufleben. Ein Sommerhit!
Mit „Hair“ bringt das Musikfestival Steyr einen der bedeutendsten Musical-Klassiker auf die Bühne – und einen Stoff, der erstaunlich aktuell wirkt.
USA, 1968: Claude, Berger und Sheila leben in einer Hippie-Gemeinschaft, die von Freiheit, Frieden und dem Traum einer besseren Welt geprägt ist. Mit ihrer Lebensfreude und ihrem starken Zusammenhalt stellen sie gesellschaftliche Konventionen infrage und setzen auf Liebe statt Hass.
Legendäre Hits erlebt man live
Doch der Vietnamkrieg überschattet ihre Ideale. Während „Uncle Sam“ junge Männer zum Militärdienst einberuft, wird auch Claude eingezogen – und verliert an der Front sein Leben. Sein Schicksal verleiht dem Musical besondere emotionale Tiefe. Das Finale mit „Let the Sunshine In“ zählt zu den bewegendsten Momenten der Musicalgeschichte.
Tempo und nackte Busen
Regisseurin Susanne Sommer bringt eine kompakte, temporeiche Inszenierung auf die Bühne des Schlossgrabens. Sie wagt auch Provokationen, lässt etwa das Ensemble eine Freiheitsstatue nachstellen, nackte Busen inklusive. Wie frei sind wir heute in unseren Köpfen? Damit wird der rebellische Funke von „Hair“ neu aufgefrischt!
Gelungene Anbindung ans Heute
Kraftvolle Tanzszenen und romantische Bilder (Choreografie: Susanne ten Harmsen) treffen auf psychedelische Lichteffekte und wunderbare Kostüme (Liliana Schaber). Verstärkt wird die gelungene Renaissance der Hippie-Zeit durch den Einsatz einer Live-Kamera: Die Bilder werden in Super-8-Film-Ästhetik auf einen kleinen Screen übertragen (Visuals: Andreas „Ivo“ Ivancsics). Mit Dialogen, die teilweise im oberösterreichischen Dialekt gesprochen werden, gelingt zudem eine weitere Aktualisierung.
Bei der Parade der amerikanischen Präsidenten hat man Donald Trump dankenswerterweise ausgespart, doch jeder im Publikum weiß, dass auch die aktuelle Weltlage „Hair“ wieder erstaunlich aktuell erscheinen lässt.
Stimmstarke Darstellerinnen und Darsteller
Das Ensemble überzeugt mit starken Singleistungen und enormer Spielfreude. Allen voran ziehen Christian Funk, ein charismatischer Claude, und James Park als sein Kumpel Berger, mit starker Präsenz in den Bann. Ein Hit jagt den nächsten und sorgt für zahlreiche Gänsehautmomente. Mit unsterblichen Songs wie „Aquarius“, „Hair“ oder „Manchester, England“ wird das rebellische Lebensgefühl zum mitreißenden Musikerlebnis (musikalische Leitung: Andreas Brencic), Mitsingmomente inklusive.
Nach rund zwei Stunden ohne Pause gab es bei der Premiere Standing Ovations für die gelungene, außergewöhnliche Open-Air-Produktion. Das Kultmusical „Hair“ im Schlossgraben von Schloss Lamberg ist noch bis einschließlich 8. August zu erleben.
Übrigens: Die nächste Produktion des Musikfestivals Steyr, die im Juli 2027 zu erwarten ist, steht bereits fest: „Epos – Die Rockoper“ erzählt die Sage der Nibelungen neu.
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