Schwierige nächtliche Suchaktion der Bergrettung Grünau im Almtal (OÖ) nach einem 18-jährigen Ungarn auf der Nordwand des Schermbergs im Toten Gebirge. Bergwanderer hatte aufgrund fahrlässiger Tourvorbereitung Orientierung verloren. Auch seine Ausrüstung war für niedrige Temperaturen in 1700 Metern Höhe völlig unzureichend.
Der 18-jährige Ungar war am Donnerstag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Almsee bei Grünau im Almtal angereist und dann alleine über den Sepp-Huber-Steig ausgestiegen. Er wollte über das Hochplateau des Toten Gebirges zur Welser-Hütte und von dort wieder zurück ins Tal.
Wann der junge Bursch genau gestartet war, ist noch unklar. Er dürfte aber viel zu spät losmarschiert sein und die Wegstrecke sträflich unterschätzt haben. „Auch seine Kleidung war für eine Bergtour alles andere als passend“, betont Martin Trautwein, Einsatzleiter der Bergrettung Grünau.
Der Bursch hat sich offenbar nur äußerst unzureichend auf seine Bergtour vorbereitet gehabt. Der nächtliche Rettungseinsatz wird ihn auch einiges kosten.
Einsatzleiter Martin Trautwein
Völlig verschätzt
Als der Ungar realisierte, dass die Route, die er sich vorgenommen hatte, zeitlich für ihn nicht zu schaffen sei, wollte er westlich vom Schermberg eine Abkürzung über das Schneetal ins Büchsenkar machen. „In dem Bereich gibt es aber keinen Weg, sondern höchstens einen selten begangenen Steig mit einer Schlüsselstelle über Felswände bzw. durch eine Schlucht mit Dolinen. Außerdem muss man dazu erst einmal den Eingang finden“, betont Trautwein.
Der 18-Jährige fand dann auch den Abstieg nicht und wählte gegen 21.50 Uhr auf 1760 Metern Höhe den Notruf 140. „Die Telefonverbindung war aber sehr schlecht und auch die automatische Koordinaten-Übermittlung AML hat nicht funktioniert“, bestätigt der Einsatzleiter.
Sprachliche Hürden
Es gab auch sprachliche Hürden, da der Ungar nur dürftig Englisch sprach. Er konnte aber mitteilen, dass er unverletzt sei und seine Koordinaten durchgeben.
„17 unserer Leute haben dann mit dem Aufstieg begonnen, weil die Gipfel zu dem Zeitpunkt in Wolken gehüllt waren und uns der Wirt der Welser-Hütte mitgeteilt hat, dass auf 1800 Metern Höhe ein Wind mit 40 km/h bläst und es nur 5 Grad Celisus hat“, so Trautwein.
Mit Wärmebildkamera lokalisiert
Nachdem die Verbindung zu dem Ungarn völlig abgebrochen war, wurde ein Polizeihubschrauber aus Salzburg angefordert. Dieser sollte prüfen, ob die angegebenen Koordinaten stimmen und den Standort verifizieren. „Kurz vor 23.30 Uhr konnte der Mann dann mithilfe der Wärmebildkamera lokalisiert werden. Auch der Notarzthubschrauber C 14 war informiert worden, musste zwischenzeitlich aber noch einen anderen Noteinsatz fliegen.
Um 1.19 Uhr erreichten die Bergretter schließlich den Verirrten, der bereits stark unterkühlt war. „Wir haben ihn mit Wärmejacken, Wärmepolstern und Verpflegung versorgt“, erklärt Trautwein.
Helikopter konnte nicht aufsetzen
Der Pilot des eintreffenden Rettungshelikopters gab durch, dass eine Seilbergung aufgrund des starken Windes nicht möglich sei. Auch ein Aufsetzen mit einer Kufe, um ein direktes Einsteigen zu probieren, scheiterte.
„Um 2.26 Uhr wurde der Abstieg gestartet. Den Bursch haben wir durch das felsige Gelände hindurch an einem Seil gesichert.“ Nach einer Rastpause um 3.36 Uhr auf 1550 Meter wurde der Weg fortgesetzt. Gegen 7.15 Uhr waren schließlich alle wieder unverletzt zurück im Tal. Auf den Ungarn, der offenbar keine Bergeversicherung abgeschlossen hat, dürften nun auch erhebliche finanzielle Kosten zukommen.
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