Die USA haben neue Zölle gegen 60 Handelspartner verhängt. Die Aufschläge zwischen zehn und 12,5 Prozent treffen wichtige Wirtschaftspartner. Einige Länder reagierten scharf auf Trumps Ankündigung und erwägen Gegenmaßnahmen. Auch die EU ist betroffen.
Australien und Neuseeland haben scharfe Kritik an den neuen US-Zöllen geäußert. „Diese Zölle sind ungerechtfertigt und stehen im Widerspruch zu unserem Freihandelsabkommen“, erklärte am Freitag Australiens Handelsminister Don Farrell. Die Zölle müssten „abgeschafft werden“.
„Äußerst enttäuschend“
Neuseelands Regierungschef Christopher Luxon nannte die Ankündigung Washingtons „äußerst enttäuschend“. Zölle seien nicht der richtige Weg: „Sie treiben die Kosten in die Höhe und sorgen für Unsicherheit bei den Unternehmen.“ Zugleich zweifelte Luxon die Begründung Washingtons für die neuen Zölle an: „Die US-Untersuchung hat keine stichhaltigen Beweise für die Behauptungen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit geliefert“, erklärte er im Onlinedienst X.
Der australische Handelsminister Don Farrell bezeichnete die Zölle als „völlig ungerechtfertigt“ und kündigte an, Washington weiterhin unter Druck zu setzen, alle Zölle auf Waren seines Landes aufzuheben.
Japan zeigt sich enttäuscht
Ähnlich äußerte sich die japanische Regierung, die ihr „Bedauern“ über die US-Entscheidung zum Ausdruck brachte. „Japans Industrie und Handel richten sich nach internationalen Regeln“, betonte ein Regierungssprecher. Die Zölle gegen Tokio seien offenbar allein mit der Begründung verhängt worden, „dass kein Verbot für die Einfuhr von Produkten besteht, die durch Zwangsarbeit hergestellt wurden“. Auch die Schweiz wies US-Vorwürfe zu Zwangsarbeit in einer Stellungnahme des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) zurück.
Brasilien will zurückschlagen
Auch Brasilien reagierte mit Fassungslosigkeit auf die neuen Zölle. Das Land wurde mit einem Zoll von 12,5 Prozent belegt. Die brasilianische Regierung bezeichnete den Schritt als „ungerechtfertigt“ und „willkürlich“. Man wolle mit einem „Gegenseitigkeitsgesetzes“ reagieren und andere Handelspartner in Betracht ziehen.
Anfang dieses Monats verhängten die USA einen separaten Zoll von 25 Prozent auf Möbel, Maschinen, Zucker und andere Importe aus Brasilien, wobei Ausnahmen für einige Waren, darunter Rindfleisch und Kaffee, beibehalten wurden.
Auch Österreich betroffen
Je nach Handelspartner hätten Untersuchungen entweder Zölle in Höhe von zehn oder 12,5 Prozent als „angemessenen Satz“ ergeben, hieß es in einer Mitteilung. Auch Produkte aus der EU sind betroffen. Faktisch ersetzen die neuen Zölle jene temporären globalen Zölle in Höhe von zehn Prozent, die US-Präsident Donald Trump mit Ende des gesetzlich erlaubten Zeitrahmens von 150 Tagen nicht mehr erheben darf. Trump begründete die neuen Zölle mit „unzureichenden Maßnahmen der Handelspartner gegen Zwangsarbeit“.
„Kommen wohl glimpflich davon“
Nach Ansicht von Wifo-Chef Gabriel Felbermayr fällt das Ergebnis für Europa zumindest „ein bisschen besser aus als befürchtet“. Es könnte sogar sein, dass die „insgesamte Zollbelastung“ für Europa etwas kleiner werde, weil keine Zusatzzölle zu den normalen, lange schon vereinbarten Zöllen hinzugeschlagen werden und der gesamte Zollsatz somit bei 12 oder 12,5 und nicht bei 15 Prozent liegt, sagte Felbermayr am Freitag im Ö1-Morgenjournal. „Es sieht so aus, als kämen wir glimpflich davon“, fügte er hinzu. Der 15-prozentige Zollsatz gelte für rund 93 Prozent der EU-Ausfuhren in die USA, so ein EU-Beamter.
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