Der Olympia-Traum hat sie doch nicht losgelassen – oder wieder eingefangen. Marlene Kahler ist bei der Pariser Langbahn-EM zurück auf großer Schwimm-Bühne. Zwei Jahre noch sind es bis zu den Spielen in einer für sie speziellen Stadt. In Los Angeles hat sie Wirtschaft studiert und eigentlich ihren Sport hinter sich gelassen. Doch bei der Abschlusszeremonie für ihre akademischen Leistungen im Memorial Coliseum kam Kahler die Gänsehaut – und der Gedanke an noch einen Anlauf.
Noch war sie aber nicht so weit. „Ich war eigentlich schon fertig mit dem Schwimmsport, bin nach New York gezogen und habe im Marketing-Bereich zu arbeiten begonnen“, erzählte Kahler im APA-Gespräch. „Ich bin neun Stunden an meinem Arbeitsplatz gesessen und habe mir gedacht, das Schwimmen vermisse ich schon.“ Nach ihrem Aha-Erlebnis nach der Ausbildung an der University of Southern California öffnete ihr die Vorjahres-WM in Singapur endgültig die Augen. „Ich habe unserem Team zugeschaut und mir gedacht, das könnte sich noch einmal ausgehen.“
Im vergangenen September nach einem Gespräch in der Südstadt mit Coach Balasz Feheravari war für die Olympia-Teilnehmerin 2021 dann klar, sich dort auf die LA-Limitjagd vorbereiten zu wollen. Mit der für die Kurzbahn-EM in Lublin geforderten Norm klappte es, durch den in Polen über 400 m Kraul erreichten 13. Platz hofft sie auf einen Platz als künftige Bundesheer-Sportlerin. Freilich hätte schon im April alles wieder vorbei sein können, wäre sie bei einer Notoperation nicht rechtzeitig unter dem Messer gelegen. Der Körper musste sich davon erst erholen.
LA-Limit über 400 m Kraul im Fokus
„Ich bin vorher sehr gut geschwommen, das war dann aber ein Schock und das dauert.“ Die nötige Substanz für ein Antreten in Paris über 800 m Kraul fehlte fortan, daher ist die Kraulerin nun für die Bewerbe über 200 m (Mittwoch), mehr als „Bewegungstherapie“ über 50 m (Freitag) und über 400 m (Sonntag) genannt. Generell setze sie aber nicht mehr so auf längere Strecken als 400 m, meinte die ehemalige 1.500-m-Athletin. „Ich bin jetzt 25 Jahre, es wird anstrengender.“ Ihre größten Chancen auf die Olympia-Qualifikation sieht Kahler über 400 m Kraul.
„Da kann ich mich definitiv noch verbessern in der neuen Saison, wenn ich einen normalen Trainingsrhythmus habe. Das kann sich dann ausgehen mit dem Limit.“ Dieses steht bei 4:06,27 Min., die Qualifikationsphase beginnt am 1. März. Kahler lässt die Hälfte ihrer favorisierten Distanz aber nicht links liegen: „Ich fühle mich auch über 200 m Kraul zu Hause.“ Trotz der Rückkehr zu ihrer alten Liebe möchte sie sich jedenfalls nicht nur ganz dem Schwimmen widmen, Kahler möchte bis 2028 das Masterstudium absolvieren. „Ich brauche immer etwas, um mich weiterzubilden.“
Offen lässt sich die Niederösterreicherin, ob es mit den Spielen in zwei Jahren dann endgültig mit ihrer Schwimm-Karriere vorbei sein werde: „Ich bin zum Sport zurückgekehrt, weil dieses Feuer in mir wieder entfacht worden ist. Für mich war es wichtig, auch akademisch gut abzuschließen und etwas mitzunehmen für mein restliches Leben. Aber jetzt habe ich so viel Spaß und freue mich jedes Mal, wenn ich ins Wasser springe. Solange ich diese Freude beibehalten kann, werde ich das machen. Aber es müssen auch die Leistungen passen. Ich bin doch schon 25, nicht mehr 18.“
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