Tanker drehen schon um

Nach Hormuz droht jetzt nächste Meeres-Blockade

Wirtschaft
21.07.2026 19:21

Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz ist dank der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran wieder lahmgelegt. Als wäre das nicht fatal genug, droht jetzt auch an anderer Stelle ein Schiffs-Stillstand – und die Öl-Versorgung steht auf der Kipppe.

Die Houthi-Miliz im Jemen will eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien umsetzen. Für Saudi-Arabien gelte ab sofort ein „Verbot der Schifffahrt“, sagte Houthi-Militärsprecher Jahja Sari. Er sagte dabei nicht, in welchen Gewässern das Verbot gelten soll. Am Dienstag zwang die Miliz laut eigenen Aussagen schon sechs Schiffe im Roten Meer dazu, umzukehren. Zwei Tanker, die mit saudi-arabischem Rohöl beladen am Weg nach Asien waren, drehten um und steuerten stattdessen den Suezkanal in Richtung Europa an.

US-Präsident Donald Trump kündigte eine Reaktion an, sollten die Houthi ihre Drohung einer Seeblockade gegen die Handelsschifffahrt im Roten Meer wahr machen. „Wenn es passiert, werden wir uns um die Sache kümmern“, sagte Trump am späten Vormittag (US-Ortszeit).

Der Hintergrund

  • Die vom Iran unterstützte Houthi-Miliz kontrolliert große Gebiete im Norden Jemens samt der Hauptstadt Sanaa.
  • Saudi-Arabien unterstützt die jemenitische Regierung im Süden Jemens.
  • Die angedrohte Seeblockade begründet die Houthi-Miliz mit der seit Jahren andauernden „ungerechten und erdrückenden Belagerung“ des Jemen durch Saudi-Arabien.

Es könnte auch sein, dass es wieder Angriffe auf Schiffe im Roten Meer gibt – wie es schon im Gaza-Krieg der Fall war. Das hätte enorme Konsequenzen für die weltweite Öl-Versorgung. Denn das Rote Meer ist nach der Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran zu einer wichtigen Alternativroute für den Export von Öl und anderen Produkten aus den Golfstaaten geworden.

Zweite Meerenge bedroht
Am südlichen Ende des Roten Meeres an der Küste des Jemens liegt die Meerenge Bab el-Mandab. Wenn die Houthi-Miliz im Zuge der Seeblockade diese Meerenge blockiert, würde das heißen, dass beide wichtigen Ölexport-Routen im Nahen Osten gleichzeitig ausfallen. Nach Beginn des Iran-Kriegs hat Saudi-Arabien Öl-Tanker umgeleitet: Statt der Straße von Hormuz passieren viele Tanker jetzt stattdessen die Meerenge Bab el-Mandab, um nach Asien zu kommen.

Die Karte zeigt die wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa. Die Hauptroute ist durch den Iran-Krieg und Aktivitäten der Houthi-Miliz im Jemen gefährdet. Eine Alternativroute führt um Afrika herum. Wichtige Engstellen sind die Straße von Hormuz, Bab al-Mandab, der Suez-Kanal, Gibraltar, der Bosporus, das Kap der Guten Hoffnung und die Straße von Malakka. Quelle: washingtoninstitute.org.

Ausgangspunkt der Tanker ist jetzt der saudi-arabische Hafen von Janbu, der Insidern zufolge immer noch in Betrieb ist. In den vergangenen Wochen legten dort jeden Tag Tanker mit rund vier Millionen Barrel (etwa 636 Millionen Liter) Erdöl ab. Im Vorjahr waren es nur rund 973.000 Barrel pro Tag, heißt es von den Datenanbietern Kpler und Signal Ocean. Es könnten künftig sogar noch mehr Öl-Tanker von Janbu aus starten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters denkt Saudi-Arabien nämlich darüber nach, seine Rohöl-Pipeline an die Küste des Roten Meeres auszubauen.

Iran-Eskalation „verstärkt die Sorgen“
Die Internationale Energieagentur (IEA) beobachtet die Entwicklungen jedenfalls mit Sorge. Die Eskalation im Iran-Krieg „verstärkt die Sorgen um die Versorgungssicherheit“, sagt IEA-Direktor Fatih Birol. Doch nicht nur der aufflammende Krieg im Iran setzt die Ölversorgung unter Druck: Die drohende Blockade der Meerenge von Bab el-Mandab verschärft die Situation noch zusätzlich.

Denn das gelagerte Öl werde weniger, aber die Arbeit der Raffinerien und das Öl-Angebot haben nicht stark genug zugenommen, um die schrumpfenden Lagerbestände auszugleichen. Das bedeute, dass die Märkte für raffinierte Ölprodukte wie Diesel und Benzin deutlich angespannter seien als die für Rohöl, erklärt Birol.

Eine angespannte Lage bei Diesel und Benzin haben die Autofahrer in den vergangenen Tagen schon erlebt. Denn nach neuen US-Angriffen auf den Iran und Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormuz sind in Österreich die Preise an den Zapfsäulen gestiegen. An vielen Tankstellen kostete am Montag ein Liter Diesel mehr als zwei Euro. Laut ÖAMTC-Webseite wurde auch am Dienstag bei manchen Tankstellen die Zwei-Euro-Marke geknackt. Die Rohöl-Preise nahmen ebenfalls Fahrt auf.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung