Demo gegen Serverfarm:

„Google kassiert Profit, Kronstorf die Folgen“

Oberösterreich
17.07.2026 17:30

Knapp 100 Teilnehmer protestierten am Freitag neben der Baustelle des Google-Rechenzentrums in Kronstorf. Eine Bürgerinitiative fordert mehr  Transparenz zu dem Riesenprojekt. Und auch in der Bundespolitik gibt es einen Schlagabtausch rund um die Umweltverträglichkeitsprüfung.

„Ich bin Ennserin und mir wurde als Kind gesagt, dass hier die fruchtbarsten Böden sind – und jetzt wird alles verscherbelt“, sagt Reinhilde (65). Sie ist eine von knapp 100 Protestierenden, die sich Freitagnachmittag neben der öffentlich schwer erreichbaren Baustelle der Serverfarm in Kronstorf versammelt haben. Dort errichtet Internet-Gigant Google, wie berichtet, auf 50 Hektar ein Rechenzentrum mit einer kolportierten Investitionssumme in Milliardenhöhe.

Zum Protest aufgerufen hatte die Bürgerinitiative „Rechenzentrum Kronstorf“. Auf den Schildern der Teilnehmer stehen Sprüche wie „Google kassiert Profit, Kronstorf die Folgen“, oder „Hände weg von unserem Wasser, Hände weg von unserem Strom“. Teilnehmerin Angelika (68) aus Steyr ist „wegen der Zukunft meines Enkels hier, damit nicht Raubbau mit unserer Natur betrieben wird.“ Und Gerhard (67) aus Bahemberg meint: „Wir wollen gegen das Informationsdefizit demonstrieren, den Bau kann man eh nicht mehr verhindern.“ Die Bürgerinitiative fordert mehr Transparenz zu dem Riesenprojekt, eine Nutzung der Abwärme, die durch den Serverbetrieb entsteht, und eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).

Vor der riesigen Baustelle von Google versammelten sich am Freitag schlussendlich knapp 100 ...
Vor der riesigen Baustelle von Google versammelten sich am Freitag schlussendlich knapp 100 Teilnehmer bei der Protestkundgebung.(Bild: Horst Einöder/Flashpictures)

Rechenzentren sind bisher nicht UVP-pflichtig
Damit spiegeln die Forderungen der Bürgerinitiative wider, was auch in der Politik heiß diskutiert wird: Am Freitag forderte nach den Grünen auch die Bundes-SPÖ, das UVP-Gesetz zu überarbeiten. Denn bisher sieht dieses beim Bau von Rechenzentren (sie sprießen nun wegen des KI-Booms nach und nach aus dem Boden) nicht automatisch eine Umweltprüfung vor – und so kam auch Google in Kronstorf ohne eine solche aus. Die Umweltorganisation Global 2000 schlägt vor, für Rechenzentren ab 50 Megawatt Anschlussleistung eine UVP-Pflicht einzuführen. Zum Vergleich: Allein für die erste Ausbaustufe seiner Serverfarm hat Google 150 Megawatt reserviert.

Die Kanzlerpartei erteilte einer pauschalen UVP-Pflicht für Rechenzentren jedoch eine Absage: „Wir können nicht mehr europäische Souveränität bei KI fordern und gleichzeitig jene Infrastruktur durch immer neue Hürden ausbremsen, auf der sie beruht“, sagt ÖVP-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Google kontert Umwelt-Kritik
Google selbst will sein Rechenzentrum in der ersten Ausbaustufe 2027 in Betrieb nehmen – dafür wurden auch bereits alle Genehmigungen erteilt. Kritik an möglichen negativen Folgen für die Umwelt – der US-Konzern darf aus einem Uferfiltrat der Enns Kühlwasser für seine Server entnehmen und dieses anschließend mit einer Temperatur von rund 30 Grad wieder in die Enns zurückleiten – kontert Google: Die Auswirkung auf die Enns sei laut dem Gutachten, das der wasserrechtlichen Bewilligung zugrunde liege, so gering, „dass sie seitens der Amtssachverständigen als vernachlässigbar eingestuft wurde. Beispielsweise wird es beim Kraftwerk Mühlrading, das sich in unmittelbarer Nähe befindet, schon keinen messbaren Temperaturunterschied mehr geben“, so Google, das betont: „Der im Wasser-Bescheid genannte maximale Grenzwert wird im Regelbetrieb deutlich unterschritten.“

Für die weitere Ausbaustufe – der US-Konzern möchte seine Serverfarm etwa eineinhalbmal größer bauen als bisher bewilligt – laufen derzeit die Behördenverfahren.

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