Bevor am Donnerstagabend in Tulln der Auftakt seiner Österreich-Tour über die Bühne geht, ist Bundeskanzler Christian Stocker vor allem eines wichtig: Der Eindruck, dass hier nichts inszeniert ist. Im Hintergrundgespräch betonte der ÖVP-Chef immer wieder, dass er weder die Fragen noch die Teilnehmer kenne. Dass der Steuerzahler die Tour bezahlt, verteidigt er ebenfalls.
„Es hat keine Vorauswahl durch mich oder mein Umfeld gegeben. Ich kenne weder die Fragen noch weiß ich, wer kommen wird“, beschwört Bundeskanzler Christian Stocker. Im Vorfeld seiner groß angekündigten Sommertour durch Österreich, bei der er „mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und ihnen die Regierungsarbeit erklären will“, musste der ÖVP-Chef einiges an Kritik einstecken.
Etwa deshalb, weil nicht die Partei, sondern der Bundeskanzler und damit der Steuerzahler für die neun anstehenden Events aufkommt. „Das ist keine parteipolitische Veranstaltung. Ich sehe es als meine Aufgabe, unsere Regierungspolitik den Menschen zu erklären, ich glaube, das ist legitim“, so der Kanzler. „Und das muss uns unsere Demokratie ja wohl bitte noch wert sein“. Die genauen Kosten sind allerdings noch nicht bekannt.
Warum tourt Regierungsspitze nicht gemeinsam durch Österreich?
Dass nur er selbst und nicht etwa auch Vizekanzler Andreas Babler und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger dabei sind, liege ausschließlich am Organisatorischen: „Wir haben uns sogar überlegt, ob die ganze Regierungsspitze teilnimmt. Vielleicht wird das in Zukunft passieren.“ Aktuell habe es an den Sommer-Terminkalendern gelegen.
Stocker ist jedenfalls „gespannt auf die Fragen. Wahrscheinlich habe ich auch nicht auf alle eine Antwort. Aber mir geht es darum, ins Gespräch zu kommen.“ Er will „keine bestellten Fragen“ haben. Die Erkenntnise der Tour sollen natürlich zu politischen Ableitungen führen, die dann auch die Regierungspartner bekommen sollen. „Vordergründig ist für mich aber, dass ich als Kanzler die Fragen der Menschen höre!“
Nach Tulln wurden 200 interessierte Bürger eingeladen, die in einem Vorauswahlprozess nach repräsentativen Merkmalen ausgesucht wurden. Ob es immer so viele sein werden? „Vermutlich nicht immer. Die Anmeldungen für die anderen Termine laufen noch“, so der Kanzler.
Kanzler ist Gegenwind aus Medien gewohnt
Zur Kritik der Freiheitlichen rund um die Sicherheitsüberprüfungen der Teilnehmer, sagt der Kanzler: „Das habe nicht ich entschieden, sondern ist unter diesen Umständen State of the art.“ Vor weiterem Gegenwind, etwa aus dem Publikum, fürchtet er sich nicht. Den sei er bereits aus den Medien gewöhnt.
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