Favoriten lässt mich nicht los. Man liest ja immer wieder äußerst negative Meldungen über den Bezirk: Messerstechereien, Massenschlägereien, Schwerverletzte. All das passierte nicht weit von meiner Schule entfernt. Ich kenne die Tatorte also gut. Und frage mich dann immer: Waren Schüler Zeugen oder einige ihrer Familienmitglieder beteiligt? Es wäre nicht das erste Mal.
Für Favoritner gehören Gewaltvorfälle auf Straßen und in Parkanlagen längst zum Alltag. Auch ich habe mich daran gewöhnt.
Am Zeugnistag spazierte ich durch einen Park in Richtung U-Bahn. Polizei und Krankenwagen standen um einen jungen Mann. Er blutete im Gesicht und redete mit zwei Polizisten.
„Hallo, Lehrerin Susi! Es war nur ein Faustkampf, nicht so schlimm“ hörte ich Yasin aus dem Fußballkäfig rufen. Einige Schüler waren nämlich ebenfalls dort. Ich meinte: „Ich bin beruhigt, dass ihr okay seid!“ „Alles in Ordnung!“, beruhigten sie mich. Wir wünschten uns nochmals schöne Ferien.
Schockiert waren weder sie noch ich. Obwohl die Auseinandersetzung natürlich auch schlimmer hätte enden können. Jede Situation zu dramatisieren nützt aber niemandem, Kindern schon gar nicht.
Dennoch werde ich mich an die Bedrohungslage beim Besuch der Parks in Favoriten niemals gewöhnen. Der öffentliche Raum gehört Familien, Jugendlichen und Spaziergängern, die sich friedlich treffen, nicht gewalttätigen Banden!
Resignieren ist fehl am Platz, Handeln ist gefragt.
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