„Krone“-Kolumne

Sex sells: Vom Gummipeter bis zum Höhenflug

Kolumnen
16.07.2026 06:45

Der „Gummipeter“ war es, der 1951 deutsche Gerichte in Wallungen versetzte. „Ein unzüchtiger Gegenstand, der der Selbstbefriedigung dient“, klagte der Staatsanwalt an. Besagter „Gummipeter“ war natürlich ein Vibrator – und die „Übeltäterin“ in dieser delikaten Causa: Beate Uhse. „Hier steht der Orgasmus der Frau vor Gericht“, entgegnete sie – und gewann.

Heute vor 25 Jahren starb die als „Mutter Courage des Tabubruchs“ bezeichnete Unternehmerin mit 81 Jahren. Nach einem Leben, das einem feministischen Roman entsprungen schien.

Schon als junge Frau ließ sie sich keine Grenzen setzen. Sie machte den Flugschein, sprang für männliche Schauspieler als Stuntpilotin ein und flog für die Wehrmacht (zu ihrer Rolle in der Nazi-Zeit schwieg sie sich später aus). Die größte gesellschaftliche Grenze überschritt sie in den frühen 50er-Jahren mit der Broschüre „Schrift X“ über natürliche Empfängnisverhütung. Sex nur aus Lust und Laune heraus, um Himmels willen! Was für ein verwegener Schritt hin zur sexuellen Freiheit der Frauen. Und was für ein Geschäft. Uhse gründete das nach ihr benannte Versandhaus – und eröffnete 1962 ein „Fachgeschäft für Ehehygiene“, sprich: den ersten Sexshop der Welt.

Um Feminismus ging es Uhse allerdings nicht wirklich. Das wurde spätestens klar, als sie mit Pornos vor allem Männerfantasien bediente. Sex sells! Das wusste keine besser als sie. Und doch war sie eine beeindruckende Pionierin, die Frauen so manchen Höhenflug bescherte.

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