Nach dem verheerenden Brand eines Schweinestalls in Pettenbach mit 600 toten Tieren meldet sich Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger zu Wort und mahnt mehr Solidarität und Mitgefühl in Oberösterreich ein.
Der Brand eines Schweinestalls in Pettenbach löste auf krone.at nicht nur Solidarität mit dem geschädigten Landwirt aus, sondern sorgte für zahlreiche Hasskommentare. Aus gegebenen Anlass meldete sich Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger mit einer Stellungnahme bei der „Krone“. Als größte Tageszeitung des Landes sehen wir es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, in einer aufgeheizten Debatte auch jene Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die zu Sachlichkeit, Mitgefühl und Zusammenhalt aufrufen. Die Veröffentlichung der folgenden Stellungnahme soll keine politische Bühne bieten, sondern einen Beitrag zu einer respektvollen Debattenkultur leisten.
Der Kommentar von Agrarlandesrätin Michaela Langer Weninger:
„Vor wenigen Tagen brannte ein Schweinestall bis auf die Grundmauern nieder. 600 Tiere kamen in den Flammen um. Eine Zahl, die sich schnell aussprechen lässt – und doch kaum begreifbar ist. Denn hinter dieser Zahl stecken keine Statistik, sondern eine Existenz und hunderte Lebewesen. Eine Familie, die jeden Tag im Stall steht, bevor die Sonne aufgeht. Die sich um das Wohlergehen ihrer Tiere kümmert, bei Wind und Wetter, an Wochenenden, an Feiertagen. Menschen, für die der Hof nicht einfach ein Beruf ist, sondern ein Leben.
Was hier geschehen ist, ist eine Tragödie für Tier und Mensch. Man kann nur im Entferntesten erahnen, wie es den Betroffenen in dieser Situation ergeht. Jeder bäuerliche Familienbetrieb ist stets am Wohlbefinden seiner Tiere interessiert. Wenn dann etwas so Tragisches passiert, geht das den Betroffenen massiv an die Substanz.
Doch kaum ist der Rauch verzogen, beginnt etwas anderes: das Urteilen – aus sicherer Distanz. Ohne den Geruch des Rauchs in der Nase. Ohne je einen Stall betreten zu haben. Ohne jemals erlebt zu haben, was es bedeutet, alles zu verlieren. Es wird kommentiert, verurteilt und mit dem Finger gezeigt. Auf Menschen, die versuchen zu begreifen, was überhaupt passiert ist. Auf Menschen, die nicht wissen, wie es morgen weitergeht.
Man muss sich das vor Augen führen: Da steht jemand vor den Trümmern seiner Existenz, und die Antwort mancher ist nicht Mitgefühl, sondern Hass. Das ist keine Meinung mehr, das ist keine berechtigte Kritik – das ist einfach nur unmenschlich. Und es sagt mehr über jene aus, die urteilen, als über jene, die getroffen wurden.
Es lohnt sich, in solchen Momenten den Blick auf jene zu richten, die zeigen, wie es anders geht: die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, die alles stehen und liegen lassen, um zu helfen. Die Helfer, die keine Fragen stellen, sondern einfach anpacken. Sie fragen nicht, wie es dazu kam, sie fragen nicht, wer schuld ist. Sie helfen. Punkt.
Genau darauf sollte eine Gesellschaft aufbauen – auf Solidarität, auf Zusammenhalt und auf Menschlichkeit. Eine Existenz kann in wenigen Stunden niederbrennen. Der Zusammenhalt einer Gemeinschaft braucht Zeit, um zu wachsen – aber nur wenige Sekunden, um zu zerbrechen. Es liegt also an uns selbst, welche Spuren wir hinterlassen: Worte, die verletzen, oder Taten, die tragen.“
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