Ryanair-Horror-Flug
Frau des Opfers: „Gurt rettete meinem Mann Leben!“
Ein ohrenbetäubender Knall, schreiende Passagiere und ein Mann, der plötzlich halb aus dem Flugzeug hängt. Was sich am Freitag an Bord eines Ryanair-Fluges von Thessaloniki nach München abspielte, klingt wie aus einem Katastrophenfilm. Jetzt schildert die Ehefrau des Mannes die dramatischen Minuten.
Plötzlich krachte es. Was als gewöhnlicher Ryanair-Flug von Thessaloniki nach München begonnen hatte, endete für den serbischen Staatsbürger Ljubiša Karović in einem Albtraum. Das Fenster neben seinem Sitz zerbarst während des Fluges. Der starke Druckunterschied riss den Mann bis zur Brust aus der Maschine. Schwer verletzt überlebte er das Drama nur, weil er angeschnallt war.
„Als das Fenster zerbrach, hing Ljubiša bis zur Brust aus dem Flugzeug“, schildert seine Ehefrau Svetlana dem serbischen Sender Nova die dramatischen Sekunden. „Ich reagierte sofort und packte seine Beine.“ Erst dann griff auch die junge Frau auf dem Nebensitz nach seinem Arm. Gemeinsam mit einer weiteren Person gelang es nach zwei Minuten schließlich, den Mann zurück in die Kabine zu ziehen.
Zum Glück war er angeschnallt. Das hat ihm das Leben gerettet.
Svetlana Karović
Sog riss sogar den Koffer hinaus
Während des Dramas fielen die Sauerstoffmasken von der Decke. An Bord brach Panik aus. Nach Angaben seiner Ehefrau verlor Ljubiša Karović dreimal das Bewusstsein. In diesen bangen Sekunden rechnete Svetlana mit dem Schlimmsten. „Wenn wir sterben, dann zusammen.“ Es sind Worte, die zeigten, wie aussichtslos die Lage für die Passagiere in diesem Moment gewirkt hat.
Verzweifelt versuchten Passagiere sogar, den zerstörten Fensterausschnitt mit einem Koffer abzudichten. Doch die enorme Sogwirkung riss ihn sofort wieder hinaus. „Zum Glück war mein Mann angeschnallt. Das hat ihm das Leben gerettet.“
„Schon Flugzeuggeräusch lässt ihn zittern“
Ljubiša Karović wird weiterhin im Universitätskrankenhaus AHEPA in Thessaloniki behandelt. Er leidet an Verletzungen an Hals und Schulter sowie an Verbrennungen durch die starke Reibung. Seine Frau berichtet, dass ihr Mann unter Schock steht und bereits beim Geräusch eines Flugzeugs zu zittern beginnt.
Ein von der Familie beauftragter technischer Sachverständiger vermutet, dass der Zwischenfall durch einen Triebwerksschaden ausgelöst wurde. Auch der Anwalt der Familie verweist darauf, dass dieselbe Maschine bereits am Vortag technische Probleme hatte. Einen direkten Zusammenhang kann er derzeit zwar nicht bestätigen, es besteht seiner Ansicht nach jedoch der ernsthafte Verdacht eines Wartungsproblems am Triebwerk.
„Niemand meldete sich bei uns“
Die Familie erhebt zudem schwere Vorwürfe gegen Ryanair. Svetlana Karović sagt, die Besatzung habe den Passagieren während des dramatischen Zwischenfalls nicht geholfen. Auch nach dem Vorfall habe sich zunächst niemand von der Fluggesellschaft bei der Familie gemeldet.
Das Statement von „Ryanair“
„Ein Ryanair-Flug von Thessaloniki nach Memmingen kehrte am Freitagmorgen (10. Juli) kurz nach dem Start nach Thessaloniki zurück, nachdem sich während des Fluges ein Fenster eines Passagiersitzes gelöst hatte. Das Flugzeug landete planmäßig, und die Passagiere kehrten ins Terminal zurück. Ein Passagier bat nach der Landung in Thessaloniki um medizinische Hilfe und erhielt diese auch. Um die Verspätung so gering wie möglich zu halten, wurde ein Ersatzflugzeug organisiert, das die Passagiere nach Memmingen bringen sollte. Dieses startete am selben Morgen um 9:53 Uhr Ortszeit von Thessaloniki.“
Während die Familie von dramatischen Minuten in Todesangst spricht und der schwer verletzte Ljubiša Karović noch immer im Spital liegt, fällt die Stellungnahme von Ryanair knapp aus. Die Fluggesellschaft erklärt lediglich, die Maschine sei kurz nach dem Start nach Thessaloniki zurückgekehrt, nachdem sich ein Fenster eines Passagiersitzes gelöst habe. Ein Passagier habe nach der Landung „um medizinische Hilfe“ gebeten und „diese auch erhalten“. Außerdem sei rasch ein Ersatzflugzeug organisiert worden, um die übrigen Fluggäste noch am selben Vormittag nach Memmingen zu bringen.
Nun untersuchen Ermittler der griechischen Behörde für Flug- und Eisenbahnunfälle (EODASAAM) gemeinsam mit der nationalen Verkehrssicherheitsbehörde sowie dem technischen Sachverständigen der Familie die Maschine.











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