VW-Chef Oliver Blume hat kürzlich angekündigt, in Deutschland weniger Fahrzeuge und weniger unterschiedliche Modelle zu produzieren. Stattdessen soll etwa auf günstigere Werke in Osteuropa gesetzt werden. Andere Autobauer wie Mercedes und BMW stellen ihre Fahrzeuge bereits in Ungarn her.
Der weltweite Wettbewerb werde immer härter – sowohl in technologischer Hinsicht als auch in Bezug auf Kosten, Geschwindigkeit und Qualität, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius. Fabriken wie jene im ungarischen Kecskemet seien ein Wettbewerbsvorteil und ein kraftvoller Beweis, dass höchste Qualität und höchste Kosteneffizienz miteinander einhergehen können. Das Unternehmen hat angekündigt, den Anteil der Produktion in europäischen Niedriglohnländern in den kommenden Jahren von 15 auf 30 Prozent zu verdoppeln. Die Produktionskosten in Ungarn liegen nach früheren Angaben von Finanzchef Harald Wilhelm rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.
Der Konzern hat den Standort, an dem seit 2012 Fahrzeuge gefertigt werden, zuletzt kräftig ausgebaut. Bis zu 400.000 Fahrzeuge können dort nun jährlich hergestellt werden. In der Provinzstadt entstanden auch zwei neue Hallen für Karosserie- und Montagelinien sowie ein zweites Presswerk, eine neue Lackiererei sowie eine Batteriemontage. In der älteren Halle produziert Mercedes Verbrenner- und Elektrofahrzeuge, die neue Halle ist auf vollelektrische Modelle ausgelegt.
Auch Zulieferer siedeln sich an
Mercedes ist mit dieser Entscheidung nicht alleine. Zweieinhalb Autostunden entfernt hat BMW im Herbst ein Werk im ostungarischen Debrecen eröffnet. Dort ist die Fabrik auf Elektroautos ausgelegt. Fast am anderen Ende des Landes, im Westteil, ist der Volkswagen-Konzern bereits mit einem Werk vertreten. Im Vorjahr wurden in Györ ungefähr 200.000 Fahrzeuge angefertigt. Zudem produziert Audi dort Karosseriebauteile, Benzin- und Dieselmotoren sowie E-Antriebe.
„Üblicherweise siedeln sich die Zulieferer, die eine langjährige Historie mit einem Hersteller haben, auch im Ausland an, um dort gleichfalls von den neuen Werken zu profitieren“, sagte der Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). In Ungarn haben sich etwa Bosch und die Conti-Abspaltung Aumovio platziert.
Das sind die Gründe für Ungarn
„Die Produktionsverlagerung ist noch nicht am Ende“, sagte Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. Gelockt würden die Konzerne unter anderem mit niedrigen Lohnkosten, Förderprogrammen für Hersteller und Zulieferer. Das Land unterstütze beispielsweise bei der Ansiedelung, bei Genehmigungen und dem Aufbau der Infrastruktur. „Die Produktionskosten in Deutschland sind in der Automobilindustrie die höchsten der Welt“, sagte Wisbert.
Derzeit brodelt es gehörig in der deutschen Autobranche. Zehntausende bangen um ihre Jobs, Gehälter werden gekürzt, die 35-Stunden-Woche steht unter Beschuss und auch Werksschließungen werden debattiert. Aktuell werden laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) knapp sieben von zehn Pkw deutscher Hersteller im Ausland produziert. Seit 2022 geht auch die Mehrheit der Investitionen der Konzerne ins Ausland.
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