Wasser immer knapper

Hitzewelle in Italien: Parmesan-Produktion stockt

Ausland
13.07.2026 11:20
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Hitzewellen in Italien machen den Produzenten des weltberühmten Parmesan-Käses zu schaffen. Bei Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius geben die Kühe bis zu zehn Prozent weniger Milch, die zudem an Qualität verliert. Zudem sorgt die Hitzewelle vielerorts für Wasserknappheit. 

„Extreme Hitze beeinträchtigt die Qualität und die Menge der Milch“, sagte Nicola Bertinelli, Präsident des Parmigiano-Reggiano-Konsortiums, der Nachrichtenagentur Reuters.

Trockenheit verschärft das Problem noch, denn für den Käse mit seiner geschützten Ursprungsbezeichnung dürfen die Kühe nur mit Gras und Heu aus der Region gefüttert werden. Viele Landwirte haben teure Ventilatoren und Sprühnebelsysteme installiert. Das wiederum treibt ihre Energiekosten in die Höhe.

Steigender Energieverbrauch
Die steigenden Rechnungen für Klimaanlagen belasten auch die Betreiber der großen Lagerhäuser, in denen die Käselaibe mindestens zwölf Monate reifen müssen. „Während der Hitzespitzen in diesem Jahr stieg unser täglicher Energieverbrauch um etwa 30 Prozent“, erklärte Giancarlo Ravanetti, Direktor von Magazzini Generali delle Tagliate (MGT). In den beiden Lagerhäusern von MGT, einer Tochter der Bank Credito Emiliano, lagern mehr als 500.000 Käselaibe im Wert von gut 300 Mio. Euro.

Die klimatisierten Lagerhäuser sind in der Region als „Parmesan-Banken“ bekannt. Dort wird jeder Laib von Experten geprüft, die ihn mit kleinen Hämmern abklopfen, um Fehler im Reifeprozess am Klang zu erkennen. Die Branche erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 4,5 Mrd. Euro und ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region Emilia-Romagna. Mehr als die Hälfte der Produktion wurde 2025 exportiert, wobei die USA der größte Auslandsmarkt sind.

„Wenn extreme Wetterereignisse länger andauern und intensiver werden, wird sich das auf Menge und Qualität der Milch auswirken, vor allem aber zu höheren Kosten führen“, sagte Paolo Ganzerli, internationaler Vertriebsdirektor des Lebensmittelkonzerns GranTerre. Den Parmigiano Reggiano gebe es seit mehr als 800 Jahren. „Wir wollen nicht die letzte Generation sein, die ihn isst“, betonte Ganzerli.

Die anhaltende Trockenheit setzt Italiens Landwirtschaft zu.
Die anhaltende Trockenheit setzt Italiens Landwirtschaft zu.(Bild: AFP/PIERO CRUCIATTI)

Bewässerung teils nicht mehr möglich
Die anhaltende Trockenheit verschärft auch die Wasserknappheit in Norditalien. Der Wasserstand des Po, dem längsten Fluss Italiens, ist so niedrig, dass nach Angaben der zuständigen Flussgebietsbehörde die verfügbaren Reserven nur noch für etwa eine Woche Bewässerung ausreichen. An der Flussmündung dringt zugleich Meerwasser ins Landesinnere vor. Der sogenannte Salzwasserkeil hat bereits eine Strecke von 20 bis 25 Kilometern zurückgelegt.

  Die Bewässerung in dem betroffenen Gebiet wurde eingestellt, um Schäden an den Feldern durch salzhaltiges Wasser zu verhindern. Nach Angaben des italienischen Verbands der Bewässerungs- und Entwässerungsverbände Anbi liegt die Wasserführung des Flusses Po nahe der Ortschaft Pontelagoscuro nahe der Stadt Ferrara rund 70 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.

Auch Venusmuschel-Zucht leidet
Neben der Landwirtschaft leidet auch die Muschelzucht unter den außergewöhnlich hohen Temperaturen. Im Delta des Flusses Po stieg die Wassertemperatur auf 32 Grad und erreichte damit Werte, die normalerweise erst Mitte August gemessen werden. In der Lagune von Goro in der Provinz Ferrara überlebten nach Angaben der Branche nur etwa zehn Prozent der Venusmuscheln. In Scardovari in der Provinz Rovigo starben unzählige Miesmuscheln innerhalb kurzer Zeit.

Die hohen Wassertemperaturen verringern den Sauerstoffgehalt und fördern zugleich die Ausbreitung von Algen, was die Muschelbestände zusätzlich belastet, warnte der italienische Fischereiverband Confcooperative Pesca.

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