Nach Friedhofsmord

Pensionist bedrohte Mädchen mit Eierlikörflasche

Gericht
10.07.2026 18:00

Es ist ein durchaus kurioser Zusammenhang, den ein Wiener Pensionist im Februar in der S-Bahn geschlossen hat. Nur zwei Tage nach dem grausamen Mord am Friedhof Penzing durch eine 14-Jährige ließ er seinen Ärger über die Bluttat an einer Gruppe Schülerinnen aus. Mit einer Eierlikörflasche bedrohte der 68-Jährige die Mädchen. Vor Gericht tut ihm das nun furchtbar leid.

„Die Ladung haben Sie zerrissen?“, fragt die Richterin verdutzt am Telefon, während sie mit dem nicht anwesenden Angeklagten telefonierte. Im Protokoll hält Frau Rat fest: „Er ist am Weg in die Lobau zum Nacktbaden. Er ist aber bereit, ins Gericht zu kommen.“ Eine halbe Stunde zu spät schaffte es der pensionierte Politologe mit seinem Rollator dann doch noch ins Wiener Landl.

„Ich hab auch heute getrunken“
„Es war ein Blödsinn“, gibt der 68-Jährige sofort zu. Am 25. Februar drohte er sieben Schülerinnen in der S-Bahn mit einer Eierlikörflasche. Der Akademiker hätte gesagt, er würde sie ihnen über den Kopf ziehen und schlug sie dabei bedrohlich in seine offene Hand. „Auslöser war der Tod meiner Frau. Dann hab ich angefangen zu trinken. Ich bin kein Alkoholiker, aber auch kein Abstinenzler“, sagt der 68-Jährige und gibt zu: „Ich hab auch heute was getrunken.“

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Ich hab die Mädchen wahrscheinlich innerlich mit der Mörderin in Verbindung gebracht. Aber die können ja nichts dafür.

Pensionierter Politologe im Wiener Landl

Ins Wiener Landl kam der Akademiker zu spät. Die Ladung hätte der 68-Jährige nämlich ...
Ins Wiener Landl kam der Akademiker zu spät. Die Ladung hätte der 68-Jährige nämlich weggeworfen.(Bild: Mario Urbantschitsch)

So wie auch am Tattag. Er kam gerade vom Grab seiner Frau in Wien-Floridsdorf. Was ihn abgesehen davon so aufwühlte? Jene 14-Jährige, die nur zwei Tage vorher eine Pensionistin auf einem Friedhof erstochen hatte. „Ich hab die Mädchen wahrscheinlich innerlich mit der Mörderin in Verbindung gebracht. Aber die können ja nichts dafür.“

68-Jähriger kurz vor Hochzeit
Der Wiener gelobt Besserung: „Selbst, wenn ich etwas trinke, sowas darf nicht passieren.“ – „Da stimme ich Ihnen zu. Aber wie wollen Sie das schaffen?“, ist Frau Rat noch nicht ganz überzeugt. Der 68-Jährige erklärt, bei ihm würden nächste Woche die Hochzeitsglocken läuten. „Ich heirate meine zweite große Liebe.“ Das würde ihn ruhigen werden lassen.

Weil er sich auch bei den Mädchen persönlich entschuldigt, kommt für die Richterin eine Diversion in Frage. Und auch der Staatsanwalt hat keine Einwände. Gegen eine Probezeit von einem Jahr wird das Verfahren also vorläufig eingestellt. Seinen Badeausflug in die Lobau lässt sich der Pensionist aber trotz Strafprozess nicht nehmen.

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