„Musste wen umbringen“

Bluttat am Friedhof: Acht Jahre Haft für Mädchen

Gericht
17.06.2026 13:14

Jenny war gerade 14, als sie am Friedhof in Baumgarten eine völlig fremde Frau tötete. Die Pensionistin (64) musste wegen purer Mordlust des Mädchens sterben. Monoton schildert sie detailliert die grausame Bluttat. Unfassbare 82 Messerstiche versetzte sie ihrem Opfer – das wurde sogar einem Schöffen zu viel ...

Jenny (Name geändert) wird bewacht von neun Justizwachebeamten in den Verhandlungssaal gebracht. Obwohl jeder Platz in dem Saal besetzt ist, ist es still, als die 14-Jährige mit starrem Blick in der Mitte Platz nimmt. Monoton und ohne jegliche Gefühlsregung erinnert sich Jenny an den 23. Februar: „Ich bin aufgestanden und ich hab halt eine Anspannung gemerkt.“ Und die wollte einfach nicht weggehen. „Ich hab an gar nichts mehr denken können. Ich war so angespannt. Dann hab ich mein Messer genommen und hab an die Tat gedacht. Dass ich das machen muss. Dass ich jemanden umbringen muss.“ Einen Plan, den sie später in die Tat umsetzte.

Wohngemeinschaft wortlos verlassen
Eine Woche zuvor hatte sie sich ein Klappmesser mit Holzgriff gekauft. Das packte Jenny ein, verließ die betreute WG in Wien-Penzing gegen halb zwei am Nachmittag. „Sie meinte, sie möchte gerne rausgehen“, erinnert sich ihre Betreuerin. „Mein Eindruck von ihr war eher emotionslos. Wenig Teilnahme. Aber so hab ich sie immer erlebt“, schildert die Sozialarbeiterin. 

Nach Gespräch mit Freundin: „Ich wollte es noch mehr“
Dabei brodelte es in der 14-Jährigen. „Ich hab mit meiner Freundin drüber geredet. Ich hab ihr erzählt, dass ich den Drang verspüre, das zu machen. Sie hat mich aufgemuntert“, sagt das Mädchen. „Dass sie es nicht machen?“, fragt die Richterin nach. Die erschreckende Antwort: „Dann wollte ich es noch mehr machen.“ Am Rennbahnweg besorgte sich Jenny schließlich zehn Tabletten Xanax – schluckte sie alle. „Ich fühle mich dann immer betrunken und krieg dann so einen Kick.“

Der Tatort am Friedhof Baumgarten in Wien-Penzing
Der Tatort am Friedhof Baumgarten in Wien-Penzing(Bild: Zwefo)

In diesem Rausch fuhr das Mädchen dann zum Friedhof Baumgarten. „Das kam halt so plötzlich, dass ich das unbedingt machen wollte.“ Was? „Jemanden umbringen.“ Die 64-jährige Pensionistin besuchte am 23. Februar gerade das Familiengrab, spazierte durch die Grabreihen. Als sie die 14-Jährige mit einem Taschenmesser regelrecht niedermetzelte. Es hätte jeden treffen können, denn das Motiv von Jenny war pure Lust am Töten.

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Dann bin ich herumspaziert, bis ich irgendwen gefunden habe. Da war diese Frau.

Jenny war am Friedhof, um ein Mordopfer zu finden

Und auch, als die Jugendliche die Bluttat schilderte, verzieht sie keine Miene: „Ich hab meine Tasche abgestellt und hab versucht, in den Rücken zu stechen. Dann hab ich sie bisschen geschubst und auf den Boden geschmissen. Auf einmal lag sie da und hat sich nicht mehr gewehrt. Ich wollte, dass sie schnell ausblutet.“

Schöffe hielt Verletzungsbilder nicht aus
Der Gerichtsmediziner spricht von unfassbaren 82 (!) Stich- und Schnittverletzungen gegen die Pensionistin – 51 davon gegen Kopf und Hals. Von denen den Schöffen scheinbar im Prozess Bilder gezeigt werden. Für einen Schöffen ist der Anblick so unerträglich, dass er aus dem Gerichtssaal stürmt, sich einige Minuten später wegen „gesundheitlicher Probleme“ entlassen lässt.

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Das Mädl hat nach Hilfe gerufen. Ich frage mich, warum da nicht früher etwas passiert ist.

Verteidigerin Astrid Wagner

Jenny verfolgt diese Geschehnisse genauso emotionslos, wie sie ihre Aussage tätigt. Genauso, wie sie sich nach dem furchtbaren Mord verhielt. „Ich hab ein Foto von ihr gemacht und es verschickt“, meint die 14-Jährige. „Ich wollte, dass meine Freunde wissen, dass ich halt ins Gefängnis gehen werde.“ Oder war es doch Angeberei? Denn das Mädchen spricht darüber, dass sie ein großer True-Crime-Fan sei, mit ihrer Freundin immer wieder über Serienmörder gesprochen hätte. „Sie mochte besonders den, der Menschen isst. Ich weiß nicht, wie er heißt“ – gemeint ist wohl der amerikanische Serienmörder Jeffrey Dahmer ...

Strafverteidigerin Astrid Wagner
Strafverteidigerin Astrid Wagner(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Betreuerin hielt blutige Hände für „plausibel“
Um vier am Nachmittag kehrte sie schließlich in die betreute Wohngemeinschaft zurück. „Mir ist aufgefallen, dass ihre Handknöchel beidseitig blutig sind. Sie meinte, sie sei umgeknickt und hätte sich mit den Händen aufgefangen. Das hat sich sehr plausibel angehört“, sagt die Betreuerin im Zeugenstand. Man hätte sie dann in Ruhe gelassen – auch als sie ihre dreckige Kleidung im Badezimmer wusch. Erst, als sie selbst die Rettung verständigte, sei man dann überhaupt erst alarmiert gewesen.

Der Prozess offenbart, welche Zustände in solchen betreuten Wohneinrichten der MA11 wirklich zu herrschen scheinen. Nicht nur konnte die 14-jährige Jenny, die bereits wegen Selbstverletzung stationär im Krankenhaus untergebracht war, ein Messer kaufen und es in ihrem Zimmer aufbewahren, sondern auch die Schule besuchte das Mädchen offenbar nicht regelmäßig. „Wir konnten sie schwer aufwecken“, meint die Betreuerin. Täglich konsumierte Jenny außerdem Gewaltvideos, Tötungsvideos – kontrolliert wurde nichts.

Zwei bis zehn Jahre Haft drohen der 14-Jährigen im Wiener Landesgericht. Der Schöffensenat verurteilt das Mädchen letztlich zu acht Jahren Gefängnis. Sie wird außerdem in einem forensisch-therapeutischen Zentrum untergebracht. Laut psychiatrischem Gutachten ist sie brandgefährlich. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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