Lücken in Luftabwehr

Patriot-Raketen: Was nützt Kiew die Trump-Zusage?

Außenpolitik
09.07.2026 13:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kehrt mit vielen Zusagen vom NATO-Gipfel zurück – vor allem mit der Erlaubnis, eigene Patriot-Raketen produzieren zu dürfen. Was die Beschlüsse der Verbündeten konkret für die Ukraine bedeuten.

Es ist wohl der größte Kiewer Erfolg beim NATO-Gipfel in Ankara: US-Präsident Donald Trump sagte zu, dass die Ukraine eine Lizenz zum Bau von PAC-3-Munition für das Flugabwehrsystem Patriot bekommt. Die Patriots sind bisher die wirksamste Waffe gegen Russlands ballistische Raketen.

Produktionsaufbau dauert Jahre
Die Ankündigung der Lizenz sei eine gute Nachricht, schrieb der deutsche Militärexperte Carlo Masala auf dem Portal X. „Aber wo kommen die Flugkörper her, bis die Ukraine selber welche hergestellt hat?“ (siehe unten) Denn es dauert es üblicherweise Jahre, bis eine Produktion der Raketen, die spezielle Bauteile brauchen, aufgebaut ist.

Trump gestand zudem ein, dass es noch keine Vereinbarung mit den Patriot-Herstellern Raytheon und Lockheed-Martin gibt. Selbst wenn die Ukraine unter Kriegsbedingungen besonders schnell eine Lösung zum Nachbau findet, braucht sie die Abwehrraketen jetzt.

Dutzende Tote bei Luftangriffen
Denn Moskau weiß um die Schwächen in der ukrainischen Luftabwehr und überlastet sie regelmäßig durch großangelegte Angriffe. Vor dem Gipfel beschoss Russland Kiew massiv mit Raketen. Keine konnte abgefangen werden. Es gab mehr als 50 Tote seit Anfang Juli.

Bis auf Weiteres wird Selenskyj also weiterhin seine Verbündeten um Abwehrwaffen bitten müssen. Die Lenkflugkörper PAC-3 sind knapp – nicht zuletzt wegen ihres Einsatzes im Krieg gegen den Iran – und die Produktion in den USA läuft langsam.

Neue Milliardenzusagen
Andere Zusagen geben Kiew zumindest Planungssicherheit. Die europäischen NATO-Partner und Kanada sagten für dieses Jahr 70 Milliarden Euro an Militärhilfen zu. Dieselbe Summe wurde für 2027 zugesagt. Eingerechnet sind 60 Mrd. Euro, die in einem 90 Mrd. Euro schweren EU-Unterstützungsdarlehen zweckbestimmt für Militärhilfe sind. Die Ukraine bekommt damit Gewissheit, dass die ausländischen Militärhilfen zumindest für zwei Jahre weiterlaufen.

Drohnen als Trumpf
Mit der Drohnentechnik als Trumpf steht sie derzeit militärisch besser da als in den vergangenen Jahren. Aus eigener Anstrengung schaffte es Kiew, Russlands Ölindustrie und Rüstungsfabriken weit hinter der Front zu treffen. Diese Fähigkeiten sollen noch vertieft werden: In Ankara wurde mit Deutschland eine Vereinbarung zur gemeinsamen Produktion von Drohnen des Typs Bars unterzeichnet. Diese können mit einer Reichweite bis zu 800 Kilometer Ziele tief in Russland treffen.

Russland kann aufholen
Weitere Drohnenabkommen schloss Selenskyj mit Dänemark und den Niederlanden sowie ein Rüstungsabkommen mit Estland. Die Stärkung der ukrainischen Drohnentruppe ist wichtig: Fachleute gehen davon aus, dass Russland den derzeitigen Rückstand in einem weiteren Entwicklungszyklus wettmacht.

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