Mit ständigen Drohnenangriffen auf die Versorgungswege hat die Ukraine die russisch besetzte Halbinsel Krim fast gänzlich isoliert. Jetzt gibt es Berichte, wonach Russland die Evakuierung vorbereitet.
Am Freitag rief die von Russland eingesetzte Führung den Ausnahmezustand auf der Krim aus. Kurz danach soll eine Söldnertruppe, die Gouverneur Sergej Aksjonow als Leibgarde dient, alle Öldepots sowie einige Speditionsbetriebe unter ihre Kontrolle gebracht habe. Das berichtet der russische Telegram-Kanal „VChK-OGPU“. Befragt von der Polizei, habe sich der Anführer der Söldner – ein ehemaliger Wagner-Kämpfer – auf einen Geheimbefehl zur Vorbereitung von Reserven für den Fall einer Evakuierung berufen.
Evakuierungsplan für 250.000 Menschen
Tatsächlich sei ein Plan für die Evakuierung ausgearbeitet worden, berichten die anonymen Blogger unter Berufung auf eigene Quellen. Er sieht demnach davor, dass staatliche Organe, verschiedene Einrichtungen und ein Teil der Bevölkerung von der Halbinsel geschafft werden sollen. Der Plan betrifft demnach bis zu 250.000 Menschen. Ob er umgesetzt wird, sei genauso unbeantwortet wie die Frage danach, wo diese große Personenzahl Unterschlupf finden soll.
„VChK-OGPU“ ist bekannt dafür, Informationen russischer Behörden zu leaken und wird von Moskau als „ausländischer Agent“ eingestuft:
Experte: „Durchaus wahrscheinlich“
Der ukrainische Militäranalyst Oleksandr Kovalenko hält eine Evakuierung jedenfalls für „durchaus wahrscheinlich“, wie er gegenüber der „Krone“ sagt. Denn die russische Führung sei besorgt, dass die Krim-Brücke zerstört werden könnte. Sollte es der Ukraine gelingen, diese Route nach Russland zu zerstören, wäre eine Evakuierung „äußerst schwierig“.
Schon jetzt sei die Krim in den meisten Richtungen faktisch isoliert. „Das Asowsche Meer ist blockiert, und auch im Schwarzen Meer gibt es erhebliche Einschränkungen. Über der Krim sind ständig ukrainische Drohnen im Einsatz. Der Landkorridor durch Tschonhar und Armjansk ist ebenfalls bedroht. Tatsächlich bleibt nur noch die Kertsch-Brücke übrig“, betont Kovalenko.
Alles, was aus der Krim herausgebracht werden kann, werden sie zu entwenden versuchen.

Oleksandr Kovalenko, Militäranalyst der Gruppe „Information Resistance“
Bild: zVg
Geht von Plünderungen aus
Solange diese befahrbar sei, würden die Besatzungsbehörden versuchen, bei einem Evakuierungsbefehl Familienangehörige des Verwaltungspersonals und geplünderte Wertgegenstände von der Halbinsel zu schaffen. „Alles, was aus der Krim herausgebracht werden kann, werden sie zu entwenden versuchen, und jeder, der die Möglichkeit, die Halbinsel zu verlassen, wird nach und nach abreisen“, meint der Analyst.
Russisches Militär würde bei einer Evakuierung zwar zunächst vor Ort bleiben. Sollte es tatsächlich zu so einem Befehl, würde das aber zeigen, dass Moskau nicht darauf vertraut, die Krim halten zu können. Die Besatzungstruppen könnten noch Monate aushalten, sie würden aber zunehmend in Bedrängnis geraten, so Oleksandr Kovalenko.
„Nur eine Frage der Zeit“
Der Experte vergleicht das Szenario mit der Situation in der Region Cherson im Herbst 2022. Russische Truppen hielten einen isolierten Brückenkopf am rechten Ufer des Dnepr, bis die Ukraine schließlich durchbrach. Ähnlich könnten sich die Ereignisse auch auf der Krim entwickeln: „Es ist nur eine Frage der Zeit.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.