Die Julius Blum GmbH – Vorarlbergs größter Arbeitgeber – hat im Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro erzielt, das entspricht einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sorgen bereitet der Unternehmensführung allerdings, dass Österreich bei der Wettbewerbsfähigkeit zunehmend an Boden verliert.
Wenn ein völlig auf den Export ausgerichtetes Unternehmen, das noch dazu den Großteil seiner Waren in Vorarlberg produziert, in Zeiten von Teuerung, Zollkriegen und anderen geopolitischen Verwerfungen seinen Umsatz steigert, dann ist das an sich schon bemerkenswert. Euphorie will sich bei Geschäftsführer Philipp Blum allerdings keine einstellen, denn auch das Paradeunternehmen hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit massiven Kostensteigerungen zu kämpfen. Immerhin: „Wir sind insofern zufrieden, als dass es in die richtige Richtung geht.“
Ein zartes Wachstumspflänzchen
Positiv bewertet er, dass in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld in fast allen Märkten ein Wachstum verzeichnet werden konnte. Das Wachstumspflänzchen sei allerdings sehr zart und angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre stelle man sich zwangsläufig die Frage, welche Krise wohl als nächstes komme, so Philipp Blum, der gemeinsam mit seinem Cousin Martin die Geschicke des Familienunternehmens lenkt.
Zum Schwarzseher ist er deshalb allerdings nicht geworden: „Ich bin dennoch zuversichtlich. Unser Unternehmen ist mit seinen über 30 Tochtergesellschaften und 120 belieferten Märkten bestens aufgestellt. Durch die weltweite Präsenz haben wir auch die Möglichkeit, jeweils gut an Ort und Stelle reagieren zu können. Das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“
Ich bin zuversichtlich. Unser Unternehmen ist mit seinen über 30 Tochtergesellschaften und 120 belieferten Märkten gut aufgestellt.
Philipp Blum
EU bleibt wichtigster Gesamtmarkt, US-Geschäft stabil
Der Umsatz wurde im abgelaufenen Wirtschaftsjahr zu 46 Prozent in der EU erzielt und zu 15 Prozent im erneut größten Einzelmarkt, den USA. Negativ beeinflusst wurde das konsolidierte Wachstum durch negative Währungseffekte – ein stetiges Risiko für ein Unternehmen, das 98 Prozent seines Umsatzes im Ausland generiert. Zur Ertragssituation macht die Blum-Gruppe traditionell keine Angaben.
„Wettbewerbsfähigkeit Österreichs wesentliches Thema“
Sehr erfreulich und keineswegs selbstverständlich: Im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte die Gruppe 168 Millionen Euro (Vorjahr: 185 Millionen), mit 120 Millionen Euro den Großteil davon abermals in Vorarlberg. „Als Familienunternehmen ist uns der Standort wichtig“, betont Martin Blum. An den acht Standorten im Land wolle man festhalten, „deshalb ist die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und Europas für uns ein ganz wesentliches Thema“.
Allerdings sei es um diese aktuell schlecht bestellt, vor allen die Arbeitskosten lägen in Österreich weit über dem EU-Schnitt. „Wir unterstützen viele der gesellschaftlichen Ziele, die hinter neuen Regelungen stehen. Entscheidend ist jedoch, dass Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Innovation in einem ausgewogenen Verhältnis bleiben“, so Blum. Soll meinen: Zusätzliche Regulierungen dürfen nicht zum Wettbewerbsnachteil werden.
An den acht Standorten im Land wollen wir festhalten, deshalb ist die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und Europas für uns auch ein ganz wesentliches Thema.
Martin Blum
Dort investieren, wo Wachstum möglich ist
Außerhalb Vorarlbergs investierte Blum neben dem Ausbau des Produktionsnetzwerks in den USA und China in die Stärkung seiner internationalen Präsenz, unter anderem durch die Eröffnung eines neuen Logistikzentrums für Ost- und Südostasien in Malaysia. Produktionsstandorte betreibt die Blum-Gruppe außer in Vorarlberg auch in den USA, Brasilien, Polen und China. Sie sollen künftig noch besser miteinander verknüpft und als internationales Netzwerk weiterentwickelt werden. „Wir investieren dort, wo Märkte wachsen und Kundennähe wichtig ist“, gibt Martin Blum Einblick in die Firmenstrategie.
Mitarbeiter sind Basis des Erfolgs
Per 30. Juni beschäftigte die Gruppe 9944 Mitarbeiter, 6764 von ihnen in Vorarlberg. „Die Mitarbeiter sind Grundlage dafür, dass wir uns als Unternehmen kontinuierlich weiterentwickeln können“, stellt Martin Blum klar. Und was erwarten sich die beiden Blum-Cousins für die Zukunft? „Wir blicken mit Zuversicht nach vorne. Die Herausforderungen werden nicht kleiner, aber wir sind überzeugt, dass wir gut gerüstet sind, um auch künftig erfolgreich zu sein.“
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