Im Business Club des SCR Altach zog die Industriellenvereinigung Vorarlberg eine Bilanz, die dem heimischen Wirtschaftsstandort die Gelbe Karte zeigt. Mehr Leadership und Leistung ist gefragt!
Vorarlbergs Industrie verliert im europäischen Vergleich an Boden. Obwohl das Land seine Punktezahl im aktuellen „Regional Competitiveness Index“ der EU-Kommission von 110,6 auf 113,7 leicht steigern konnte, rutschte es im Ranking der vergleichbaren europäischen Industrieregionen von Platz 29 auf Platz 34 ab. „Das Problem ist, dass sich andere Regionen schlicht schneller entwickeln“, erklärte IV-Präsident Elmar Hartmann den Abstieg trotz Punktegewinn.
Hohe Arbeitslosenzahlen spiegeln die Misere wider
Bereits beim IV-Sommerfest im Jahr 2023 hatte der damals frisch ins IV-Team gewechselte Hartmann vor einer schleichenden Deindustrialisierung gewarnt – was damals von einigen als übertrieben beurteilt worden war. Dass sich das Ländle inzwischen mitten in einer Phase der Deindustrialisierung befindet, zeigt sich an den steigenden Arbeitslosenzahlen, insbesondere in der Kategorie „Herstellung von Waren“, oder etwa an den massiven Stellenstreichungen bei einem der führenden Vorarlberger Unternehmen, dem Verpackungsriesen Alpla. „Wenn Alpla 155 Personen abbaut, dann sind das rund 15 Prozent der Belegschaft. Das ist mehr als ein Schuss vor den Bug“, ergänzte IV-Geschäftsführer Simon Kampl.
Deutliche Defizite im digitalen Bereich
Aus Sicht von Hartmann und Kampl hat die Vorarlberger Wirtschaft gleich mit mehreren Handicaps zu kämpfen. Zwar punkte das Ländle mit einer soliden Infrastruktur, hoher Arbeitsproduktivität, hoher Lebensqualität und einem Zuwachs bei höheren Bildungsabschlüssen, doch die Basis bereite Sorgen. „Unternehmen klagen immer noch über mangelnde Grundkompetenzen der Jugendlichen beim Lesen und Schreiben“, berichtete Hartmann. Zudem hinke das Land bei den digitalen Fähigkeiten im EU-Schnitt hinterher, und der Transfer von der Innovation in die wirtschaftliche Praxis dauere schlicht zu lange.
Besonders heftige Kritik übte die IV-Spitze an den überladenen Verwaltungsstrukturen und der mangelnden Reformbereitschaft auf Bundesebene. Die Höhe der budgetierten fünf Millionen Euro für Strukturreformen sei geradezu lächerlich. „Da fehlt einfach der Mut, da fehlt das Leadership, da fehlt das Engagement, um diese Themen zu adressieren, zu bearbeiten und zu entscheiden – aber genau das wäre dringend notwendig“, urteilte Hartmann.
Wie es wesentlich runder laufen könnte, würden die Dänen beweisen, die nicht nur bei der Fußball-Europameisterschaft 1992 völlig überraschend für den Titelgewinn gesorgt hatten. Auch in Sachen Verwaltung und Effizienz agieren die Skandinavier meisterlich: Während das sechs Millionen Einwohner starke Dänemark mit nur 98 Kommunen auskommt, leistet sich Österreich mit gut neun Millionen Einwohnern einen dichten Dschungel aus Bund, Ländern, Bezirken und über 2000 Gemeinden. Beim faktischen Pensionsantrittsalter und der Kinderbetreuung hinkt man ebenfalls weit hinterher, was dem Arbeitsmarkt wertvolle Fachkräfte entzieht. „Dänemark steht vor den gleichen Herausforderungen wie wir – Demografie, Fachkräftemangel oder hohe Energiekosten. Der Unterschied liegt nicht in den Problemen, sondern im Umgang damit – und in konsequenten Reformen“, analysierte Hartmann. Dänemark zeige, dass kleine Länder durch konsequente Reformen dauerhaft zur europäischen Spitze gehören können.
Neues Naturschutzgesetz als positives Signal
Immerhin im Land selbst sieht Hartmann erste positive Impulse. Die Deregulierung bei Wärmepumpen oder Fortschritte im Landesnaturschutzgesetz würden zeigen, dass die Politik Bürokratie abbauen kann. Um nicht nur in der „Europa League“ vorne mitzuspielen, müsse Europa endlich aufhören, sich nur selbst zu verwalten, und stattdessen die eigene Innovationskraft und Wirtschaftspolitik wieder ganz oben auf die Agenda setzen. Nur so könne man im globalen Wettlauf mit den USA und China bestehen.
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