Während die Regierung noch an einer Industriestrategie arbeitet, zeigt die Beratungsfirma EY in einer neuen Studie das ganze Ausmaß der Misere auf: Die produzierende Wirtschaft in Österreich ist nun bereits zehn Quartale in Folge geschrumpft. Innerhalb von zwölf Monaten gingen rund 21.000 Jobs verloren.
Erst am Freitag wurde bekannt, dass die steirische Firma Wollsdorf Leder mit 365 Beschäftigten Insolvenz angemeldet hat. Grund sind die „negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie“. Das passt ins Bild, denn es gibt zwar erste Anzeichen, dass sich die Lage für Österreichs Wirtschaft allmählich etwas bessert. Doch die neuesten verfügbaren Zahlen für das 3. Quartal 2025 zeigen, dass die Industrie zuletzt noch tief in der Krise steckte.
Laut EY-Berechnung schrumpfte der Industrieumsatz bereits das zehnte Quartal in Folge (siehe Grafik oben), auf knapp unter 95 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Betrachtet man ausschließlich die dritten Quartale, dann war der Umsatz im produzierenden Bereich das dritte Jahr in Folge rückläufig (Grafik unten).
Das einzig Positive ist, dass sich die Rückgänge im Laufe des Jahres 2025 abgeschwächt haben. „Die österreichische Industrie befindet sich weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Gleichzeitig sehen wir aber, dass sich die Dynamik der Rückgänge zuletzt abgeschwächt hat – ein erstes Signal für eine mögliche Stabilisierung, wenn auch auf niedrigem Niveau“, sagt Axel Preiss, Branchenexperte bei EY Österreich.
Autozulieferer, Papier- und Textilindustrie besonders stark betroffen
Besonders schwach schnitten zuletzt erneut die Automobil- und Autozulieferindustrie (-7%), die Papier- und Pappeindustrie (-6%) sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie (-5%) ab. Hingegen verzeichnete die Chemie- und Pharmabranche im dritten Quartal ein Umsatzplus von über 13 Prozent. Auch die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9%) sowie der Maschinenbau (+3%) konnten zulegen.
Der Beschäftigungsrückgang setzt sich fort
Was allerdings bedenklich ist: Der Beschäftigungsrückgang in der heimischen Industrie setzt sich fort. Zum Ende des dritten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich in Österreich rund 1,07 Millionen Menschen beschäftigt – das sind 1,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Innerhalb von zwölf Monaten gingen damit rund 20.900 Arbeitsplätze verloren. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als im zweiten Quartal (-1,8%).
In sieben von acht untersuchten Industriebranchen ging die Beschäftigung zurück. Am stärksten betroffen war erneut die Automobilindustrie: Dort sank die Zahl der Mitarbeiter um gut acht Prozent, was einem Abbau von rund 2900 Stellen entspricht. Einzig die Chemie- und Pharmabranche konnte Personal aufbauen – knapp 280 Stellen (Grafik unten).
Exporte im dritten Quartal erneut rückläufig – USA-Geschäft bricht ein
Die Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom beliefen sich im dritten Quartal 2025 auf 45,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent beziehungsweise 811 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit sind die Exporte nun seit sieben Quartalen in Folge rückläufig!
Hauptgrund für den Exportrückgang ist der massive Einbruch der Ausfuhren in die USA, die um 27 Prozent bzw. 1,6 Milliarden Euro fielen. Auch die Exporte nach China (-11%) sanken deutlich. Jene nach Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner Österreichs, gingen um gut vier Prozent zurück. Positiv entwickelten sich hingegen die Ausfuhren nach Großbritannien und in die Schweiz (jeweils +21%) sowie nach Italien.
Klassische Industriezweige kämpfen mit Nachfrageschwäche
„Der Einbruch der Exporte in die USA ist außergewöhnlich stark und unterstreicht, wie verwundbar die exportorientierte Industrie gegenüber globalen Konjunktur- und Handelsschocks ist. Umso wichtiger sind Investitionen in Innovationskraft, technologische Differenzierung und neue Absatzmärkte“, betont EY-Experte Preiss. Vor allem klassische Industriezweige wie Automobil, Papier/Pappe oder Metallerzeugung kämpfen weiterhin mit einer Nachfrageschwäche und hohen Kosten.
Der Einbruch der Exporte in die USA ist außergewöhnlich stark und unterstreicht, wie verwundbar die exportorientierte Industrie ist.

Axel Preiss, Branchenexperte bei EY Österreich
Bild: Stefan Seelig
Die kommenden Quartale werden entscheidend sein
Doch wann kann es wieder aufwärtsgehen? Preiss: „Die kommenden Quartale werden entscheidend sein. Gelingt es, Investitionen in Zukunftstechnologien, Qualifizierung und nachhaltige Produktionsmodelle zu mobilisieren, kann die Industrie gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Bleiben diese Impulse aus, droht eine weitere Erosion der Wettbewerbsfähigkeit.“
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