Nicht das erste Opfer

Unterbringung: Galeristin im „Liebeswahn“ gestalkt

Gericht
24.07.2026 14:16

Bereits fünf Frauen sind Opfer eines 60-Jährigen geworden. Das letzte Opfer: eine Wiener Galeristin. „Wenn man verliebt ist, ist man leicht psychotisch“, meint der studierte Architekt. Gerichtspsychiater Peter Hofmann kommt da zu einem anderen Schluss: paranoide Schizophrenie. Sein Wunsch, nach Hause zu gehen, wird ihm im Wiener Landl nicht erfüllt.

Beinahe zwei Jahre musste sich eine Wiener Galeristin jeden Tag an ihrem Arbeitsplatz in der Innenstadt fürchten. Wird ihr Stalker wieder auftauchen? Oder wird er ihr wieder anzügliche E-Mails schreiben? Erst im Dezember 2025 hatte das ein Ende, als die Frau endlich die Polizei rief. Jetzt sitzt der 60-Jährige im Wiener Landesgericht vor dem Schöffensenat.

Kunst in Galerie vorgezeigt
Und als Prozessbeobachter kann man sich annähernd ausmalen, was sein Opfer erleben musste. Denn der gelernte Architekt lebt in seiner ganz eigenen Welt – bedingt durch seine paranoide Schizophrenie. „Ich bin im Frühjahr 2024 in die Galerie gegangen. Ich wollte meine Arbeiten vorstellen. Ich hab‘ mit der Malerei begonnen“, sagt der Betroffene. „Meine Kunst ist sehr gut. Ich male Emotionen am Smartphone.“ Und zu dieser wollte er in der Galerie in der Wiener Innenstadt eine Einschätzung haben. 

Nacktfotos: „Wollte mich vorstellen“
Nur tauchte er dort immer wieder auf, am Ende fast täglich. Auch ein mehrmals ausgesprochenes Hausverbot nutzte da nichts. Er schrieb dutzende E-Mails, SMS und rief an. „Ich wollte eine persönliche Beziehung“, sagt der Akademiker. Also schickte er ihr bearbeitete Bilder, auf denen sowohl er als auch das Opfer zu sehen sind. Und Nacktfotos: „Weil ich mich umfassend vorstellen wollte“, so die fragwürdige Begründung. „Die Frau war an mir interessiert. Es gab auch schöne Momente.“

Die Galeristin erinnert sich im Zeugenstand aber anders: „2024 haben wir angefangen, zu drohen, die Polizei zu rufen.“ – ohne Erfolg. „Meine Mitarbeiter und ich haben uns gefürchtet vor diesem Menschen.“ Besonders, als ihr der 60-Jährige Bilder auf seinem Handy zeigte: „Er hatte unzählige Nahaufnahmen von mir und auch von meinen Kindern.“ Und Fotos aus ihrem Garten ...

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Ich hab‘ halt ein verkorkstes Leben.

60-Jähriger hat keine Krankheitseinsicht

Und trotzdem beteuert der 60-Jährige: „Wenn ich von einer Frau erfahre, dass keine Beziehung möglich ist, akzeptiere ich das.“ – „Das stimmt ja nicht. Was war denn 2017?“, konfrontiert ihn Richter Christoph Bauer. Denn die Galeristin ist nicht sein erstes Opfer. Vier weitere Frauen erstatteten bereits Anzeige gegen den Wiener. Einmal kam er mit einer Diversion davon; einmal wurde das Verfahren wegen seiner Unzurechnungsfähigkeit eingestellt – denn Stalking unter einem Jahr ist keine Anlasstat für eine strafrechtliche Unterbringung. 

Krankheit bewegt sich in gefährliche Richtung
Gerichtspsychiater Peter Hofmann erklärt: „Er entwickelt offensichtlich einen Liebeswahn auf Personen.“ Die paranoide Schizophrenie des Architekten ist seit über zehn Jahren unbehandelt – und bewegt sich in eine gefährliche Richtung. „Das ganze eskaliert in Richtung Sexualität“, so Hofmann. Er geht davon aus, dass es in Zukunft auch zu Sexualdelikten durch den 60-Jährigen kommen kann. Der Betroffene kommentiert: „Wenn man verliebt ist, ist man leicht psychotisch.“

Von Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft fehlt jede Spur. „Ich verstehe einfach nicht, dass mir diese Vorwürfe gemacht verwenden“, sieht der Akademiker auch seine Taten nicht ein. „Ich nehm keine Medikamente, weil ich gesund bin. Ich hab‘ ein ausgezeichnetes Wahrnehmungsvermögen“, meint der Betroffene. Weil die beharrliche Verfolgung nun länger als ein Jahr andauerte, wird er nicht rechtskräftig in einem forensisch-therapeutischen Zentrum untergebracht. „Es ist entsetzlich. Ich hab‘ damit gerechnet, dass ich frei komme“, zeigt er bis zum Prozessende keinerlei Einsicht.

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