Bereits fünf Frauen sind Opfer eines 60-Jährigen geworden. Der studierte Architekt verfolgte sie, schrieb ihnen zig Nachrichten – und wollte unbedingt eine Beziehung. Das letzte Opfer: Eine Wiener Galeristin. „Wenn man verliebt ist, ist man leicht psychotisch“, meint der Betroffene. Gerichtspsychiater Peter Hofmann kommt da zu einem anderen Schluss: paranoide Schizophrenie.
Beinahe zwei Jahre musste sich eine Wiener Galeristin jeden Tag an ihrem Arbeitsplatz in der Innenstadt fürchten. Wird ihr Stalker wieder auftauchen? Oder wird er ihr wieder anzügliche E-Mails schreiben? Erst im Dezember 2025 hatte das ein Ende, als die Frau endlich die Polizei rief. Jetzt sitzt der 60-Jährige im Wiener Landesgericht vor dem Schöffensenat.
Kunst in Galerie vorgezeigt
Und als Prozessbeobachter kann man sich annähernd ausmalen, was sein Opfer erleben musste. Denn der gelernte Architekt lebt in seiner ganz eigenen Welt – bedingt durch seine paranoide Schizophrenie. „Ich bin im Frühjahr 2024 in die Galerie gegangen. Ich wollte meine Arbeiten vorstellen. Ich hab‘ mit der Malerei begonnen“, sagt der Betroffene. „Meine Kunst ist sehr gut. Ich male Emotionen am Smartphone.“ Und zu dieser wollte er in der Galerie in der Wiener Innenstadt eine Einschätzung haben.
Nacktfotos: „Wollte mich vorstellen“
Nur tauchte er dort immer wieder auf, am Ende fast täglich. Auch ein mehrmals ausgesprochenes Hausverbot nutzte da nichts. Er schrieb dutzende E-Mails und ergatterte schließlich die private Handynummer der Galeristin. „Ich wollte eine persönliche Beziehung“, sagt der Akademiker. Also schickte er ihr bearbeitete Bilder, auf denen sowohl er als auch das Opfer zu sehen sind. Und Nacktfotos: „Weil ich mich umfassend vorstellen wollte“, so die fragwürdige Begründung.
Ich hab‘ halt ein verkorkstes Leben.
60-Jähriger hat keine Krankheitseinsicht
Und trotzdem beteuert der 60-Jährige: „Wenn ich von einer Frau erfahre, dass keine Beziehung möglich ist, akzeptiere ich das.“ – „Das stimmt ja nicht. Was war denn 2017?“, konfrontiert ihn Richter Christoph Bauer. Denn die Galeristin ist nicht sein erstes Opfer. Vier weitere Frauen erstatteten bereits Anzeige gegen den Wiener. Einmal kam er mit einer Diversion davon; einmal wurde das Verfahren wegen seiner Unzurechnungsfähigkeit eingestellt – denn Stalking unter einem Jahr ist keine Anlasstat für eine strafrechtliche Unterbringung.
Krankheit bewegt sich in gefährliche Richtung
Gerichtspsychiater Peter Hofmann erklärt: „Er entwickelt offensichtlich einen Liebeswahn auf Personen.“ Die paranoide Schizophrenie des Architekten ist seit über zehn Jahren unbehandelt – und bewegt sich in eine gefährliche Richtung. „Das ganze eskaliert in Richtung Sexualität“, so Hofmann. Er geht davon aus, dass es in Zukunft auch zu Sexualdelikten durch den 60-Jährigen kommen kann. Der Betroffene kommentiert: „Wenn man verliebt ist, ist man leicht psychotisch.“
Von Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft fehlt jede Spur. „Ich verstehe einfach nicht, dass mir diese Vorwürfe gemacht verwenden“, sieht der Akademiker auch seine Taten nicht ein. Weil das Opfer sich für den Prozess entschuldigt, muss vertagt werden. Zum Unmut des Betroffenen: „Ich hab' gedacht, ich geh heute fix nach Hause. Mein Leben ist zerstört. Das ist so übertrieben, dass ich hier in U-Haft sitze.“ Bis zum zweiten Termin bleibt er in der vorläufigen Unterbringung.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.